Sicherheit für Fußgänger soll größer werden – was im Stadtbezirk geplant ist

Fußwege im Stadtbezirk Pieschen sollen in den kommenden zwei Jahren sicherer werden. So stehen Baumaßnahmen am Haltepunkt Pieschen, am Kreisverkehr Sternstraße / Scharfenberger Straße, in der Torgauer Straße, der Hansastraße und in der Osterbergstraße / Markusstraße auf dem Programm. Die Pläne haben Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne), Simone Prüfer als Leiterin des Straßen- und Tiefbauamts und Matthias Pfeil, Verkehrsentwicklungsplaner im Stadtplanungsamt, vergangene Woche in einer Telefonpressekonferenz vorgestellt.

Ein Viertel ihrer Wege legen die Dresdnerinnen und Dresdner zu Fuß zurück. Daran hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren nichts geändert, zeigen die regelmäßigen Erhebungen der Verkehrsexperten der TU Dresden. Auch die Nutzung des Nahverkehrs ist mit 20 Prozent anteilig gleich geblieben. Verschoben haben sich innerhalb des sogenannten Modal Splits nur die Anteile des Verkehrs mit dem Auto und mit dem Rad. Während der Radverkehr von 10 auf 18 Prozent anstieg, sank der des Autoverkehrs von 44 auf 36 Prozent.

Die Füße sind nach dem Auto das zweitwichtigste Verkehrsmittel. Quelle: dresden.de

Fußverkehrsstrategie bis Ende 2021

„Wir wollen den Anteil des Fußverkehrs am Modal Split erhöhen“, erklärte nun Baubürgermeister Kühn. Der Fußverkehr sei gesund und klimafreundlich, preiswert und kostengünstig. Insgesamt soll der Anteil des Umweltverbundes aus Fußverkehr, Radverkehr und Nahverkehr weiter wachsen, so Kühn. Diesem Ziel folgt auch die Fußverkehrsstrategie, die bis zum Ende des Jahres auf der Grundlage einer umfassenden Bestandsanalyse erarbeitet werden soll. Die letzte Zustandserfassung liege inzwischen fünf Jahre zurück. Damals seien etwa 15 Prozent der Gehwege und Straßen in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. Simone Prüfer geht davon aus, „dass sich diese Zahl verdoppelt hat“. Die Fußverkehrsstrategie umfasst folgende Schwerpunkte:

  • Erhöhung des Anteils des Fußverkehrs am Modal Split
  • Reduzierung der Unfallgefahren und der Unfallzahlen für Fußgänger
  • Barrierefreie öffentliche Räume und die Teilhabemöglichkeiten
  • Gerechte Aufteilung des öffentlichen Raums mit einer hohen städtebaulichen Qualität
  • Bessere Verknüpfung und Zugänglichkeit und Abbau von Zugangshemmnissen bei ÖPNV und Sharing Angeboten für Autos und Räder
  • Gleichwertige Berücksichtigung des Fußverkehrs beim Einsatz personeller und finanzieller Ressourcen insbesondere zur schrittweisen Umsetzung der Konzepte für Querungsstellen und Fußwege
  • Planung der öffentlichen Verkehrsflächen mit direkter Wegebeziehung für Fußgänger zur Unterstützung einer Stadt der kurzen Wege
  • Planung der öffentlichen Verkehrsflächen mit hoher Aufenthalts und Verweilqualität zur Unterstützung von urbanen innerstädtischen Quartieren mit Nutzungsmischung und sozialer Dichte.

Diese Eckpunkten sind auch den für die Jahre 2021 und 2022 geplanten Maßnahmen zugrunde gelegt. Für insgesamt 82 Projekte will die Stadt rund 4,6 Millionen Euro investieren. In den Jahren 2019 / 2020 flossen rund 4,2 Millionen Euro in 61 verschiedene Maßnahmen.

Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Begrünung

Eines der größten Investitionsprojekte in den vergangenen zwei Jahren war mit 1,8 Millionen Euro der 550 Meter lange und 30 Meter breite Grünzug Gehestraße. Ein neuer Rad- und Fußweg zwischen dem Grünzug und dem Schulcampus ist entstanden – mehrere Querverbindungen machen den Wechsel zur Gehestraße und zurück einfach. An der Ecke Erfurter Straße / Gehestraße wurde ein neuer, mit Bäumen und Sitzgelegenheiten gestalteter Stadtplatz errichtet. Neben Spielplatz und Boule-Bahn gibt es einen Bürgergarten, der unter Federführung des Stadtgarten e.V. in diesem Jahr zum Grünen gebracht werden soll.

Während der Grünzug Gehestraße abgeschlossen ist, laufen in der Torgauer Straße die Arbeiten. Die komplexe Sanierung der Straße, inzwischen im dritten Bauabschnitt, umfasst Belag, Baumpflanzungen und Aufwertung der Seitenräume einschließlich neuer Fußwege. Die Straße soll im Sommer 2021 fertiggestellt werden.

Verbesserung der Barrierefreiheit

Für 2022 soll eine mehrfach geforderte Lösung am Haltepunkt Pieschen umgesetzt werden. Zwei Mittelinseln sind hier in Verbindung mit der Neuanordnung und dem barrierefreien Ausbau der Bushaltestellen geplant, erklärte Verkehrsentwicklungsplaner Pfeil. Zur Verkehrssicherheit an dieser Stelle hatte es in der Vergangenheit eine Vielzahl von Aktivitäten einschließlich einer Onlinepetition gegeben. Weil ein Überweg hier nicht realisierbar ist, haben sich die Verkehrsplaner hier für die Mittelinseln entschieden.

Um Barrierefreiheit geht es auch bei den Bordabsenkungen auf der Hansastraße in Höhe Conradstraße.

Verbesserung der Verkehrssicherheit

Hier nannte Matthias Pfeil den Kreisverkehr Sternstraße / Scharfenberger Straße in Mickten als Beispiel. Ergänzt werden sollen hier Fußgängerüberwege mit Aufmerksamkeitsfeldern. Für die Erhöhung der Verkehrssicherheit der Radfahrer sollen die Borde im Kreisverkehr umgebaut werden. Die Maßnahmen resultieren aus den Feststellungen der Unfallkommission. Die Planungsentwürfe seien bereits fertig, die Bauausführung für das kommende Jahr vorgesehen.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2021 steht die Umgestaltung des Knotenpunktes Osterbergstraße / Markusstraße auf dem Programm. Hier geht es vor allem um die Sicherheit auf dem Schulweg mit besseren Sichtbeziehungen. Außerdem werden hier barrierefreie Gehwegvorstreckungen gebaut und die Fahrbahndecke instand gesetzt. 150.000 Euro soll die Maßnahme kosten.

 

      4 Meinungen zu “Sicherheit für Fußgänger soll größer werden – was im Stadtbezirk geplant ist

      1. Edgarsagt:

        Es wurden viele abgesenkte Bordsteine in letzter Zeit für viel Geld in Pieschen gebaut. Jetzt parken KFZ darauf und die Barrierefreiheit ist nicht besser geworden. Es ist eher eine Einladung zum Fußwegparken. Hier helfen Blumenkübel und Stangen mehr als die Politessen. Bitte unbedingt nachbessern.

      2. ronneckersagt:

        Die Steigerungsform in der Überschrift dieses Artikels ist etwas verwirrend: „größer“ ist die Steigerungsform von „groß“ und davon kann in Pieschen ja nun wirklich keine Rede sein. Enge und teilweise unbefestigte Fußwege wie auf der Tichatschekstraße oder gleich gar keiner wie auf der Gauß – das ist hier leider noch viel zu häufig anzutreffen. Auch dass Fußgänger selbst an großen Kreuzungen wie Mickten nicht im normalen Umlauf eingebunden sind, sondern mittels keimigem Taster um Grün betteln müssen (das dann häufig zu kurz ist, um in einem Zug über die Straße zu gelangen) ist ziemlich rückständig. Unsinnige Bettelampeln wie an der Haltestelle Altpieschen, die nicht mit der Straba synchron sind, laden natürlich zum Gehen bei Rot ein, wenn man nicht die Bahn verpassen will.
        Es ist noch ein langer Weg, bis Dresden mal annähernd Verkehrsgerechtigkeit erreicht.

      3. Rainer Witzsagt:

        Ich stolpere hier immer wieder über das Wort „Verkehrsgerechtigkeit“ …. was bitteschön ist am bzw. im Verkehr gerecht? Ich empfinde das immer als ein sehr populistisches Wort ohne wirklichen Inhalt.

        Allgemein finde ich es gut was gemacht wird, hier ist noch viel Verbesserungspotenzial drin.
        Das die Ecke Osterbergstraße/Markusstraße erst vor etwa einem halben Jahr für viel Geld erst komplett neu gemacht wurde (im Rahmen der Fernwärme) spricht mal wieder für schlechtes Timing, schlechte Absprache und Endkunden-/Steuerzahlergeldverschwendung…

      4. Hoffmannsagt:

        In Übigau auf der stark befahrenden Rethelstraße ist der Fußweg geschätzte 60 cm schmal, gerade so breit daß ein Kinderwagen darauf Platz hat, von Sicherheit für Fußgänger keine Spur! In Dresden wurden schon immer Autos bevorzugt! Fußgänger brauchen mehr Sicherheit!

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