Brendler’s Geschichten: Kunst von Arthur Lange in Kirchen und auf Friedhöfen

In und an der nach einem Entwurf des Dresdner Architekten Oswin Hempel (1876-1965) erbauten Apostelkirche haben eine Reihe namhafter deutscher Maler und Bildhauer des letzten Jahrhunderts im wahrsten Sinne des Wortes ihre Spuren hinterlassen. Eine vierundzwanzig Seiten umfassende, in der Buchdruckerei der Dr. Güntzschen Stiftung Dresden hergestellte und zur Weihe der Kirche am 29. März 1929 herausgegebene Festschrift nennt auch ihre Namen. Es sind dies die Kunstmaler Paul Rößler, Bernhard Müller und Hans Nadler sowie die Bildhauer Curt Dämmig, Theodor Artur Winde und Arthur Lange.

Arthur Lange studierte an der Kunstgewerbeschule in Dresden. Foto: Stadtarchiv Chemnitz

Unter dem Titel „Arthur Lange – ein vielseitiger Künstler“ veröffentlichte im Mai 2011 das „Röhrsdorfer Nachrichten-Blatt“ einen Beitrag, der sich ausführlich mit dem Leben des Bildhauers befasste. Darin heißt es, dass er am 9. März 1875 als unehelicher Sohn der Gutsbesitzertochter Anna Meinig in Röhrsdorf (im Jahre 1999 nach Chemnitz eingemeindet), geboren wurde. Schon sehr früh habe man sein zeichnerisches und künstlerisches Talent erkannt und gefördert. „Nach dem Besuch der Bürgerschule von 1881 bis 1889 in Meißen absolvierte er ab 1890 die Zeichenschule der Königlichen Porzellan-Manufaktur ebenda.“ Im Jahre 1895 adoptierte ihn der in Cölln (heute Meißner Stadtteil) ansässige Tischler Paul Lange. Letztgenannter war es auch, der ihm das Studium (1903-1906) an der Kunstgewerbeschule in Dresden finanziell ermöglichte.

Arthur Lange, neben dem späteren Bildhauer, Schriftsteller und Maler Ernst Barlach (1870-1938) ein Meisterschüler von Professor Robert Diez (1844-1922), erhielt 1906 die Ehrenmedaille der Kunstakademie Dresden, zwei Jahre später den Staatspreis des Königreichs Sachsen, und das Ritterkreuz II. Klasse des Albrechtsordens wurde ihm 1912 verliehen. Am 6. Mai 2015 stimmte der Chemnitzer Stadtrat der Benennung einer Straße nach Arthur Lange zu. Es handelt sich um die damals neu entstandenen Verkehrsverbindung zwischen Chemnitz-Röhrsdorf und Limbach-Oberfrohna.

Im November 1911 weihte die Gemeinde Röhrsdorf den von Arthur Lange geschaffenen „Märchenbrunnen“ auf dem Schulvorplatz ein. Foto: M. Uebel

Nach erfolgreich absolviertem Studium entstanden in der Folgezeit unter anderem der „Märchenbrunnen“ in seinem Geburtsort Röhrsdorf (1911), die Figur „Der Mensch“ zur Internationalen Hygiene-Ausstellung 1911 in Dresden und die des „Atlas“ am Leipziger Hauptbahnhof (1912). Seiner Zeit gemäß schuf er auch „… zahlreiche Ehren- bzw. Kriegerdenkmale in verschiedenen Städten Deutschlands sowie religiöse in Holz geschnitzte Arbeiten für Kirchen.“ Eine davon ist die am Tag der Weihe in der Turmhalle der Apostelkirche aufgestellte „Holzfigur des mühseligen und beladenen Mannes“.

Die Apostelkirche bildet heute das Verwaltungszentrum der Ev.-Luth. Laurentiuskirchgemeinde Dresden-Trachau und kann dank zahlreicher Räume (Abb. Turmhalle) vielseitig genutzt werden. Foto: K. Brendler

Zur Holzfigur und ihrem Verbleib während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) sind im Kirchenarchiv Niederschriften erhalten, die ein bemerkenswertes Bild des Wirkens der „Deutschen Christen“ auch in der Trachauer Apostelkirche zeichnen. In einem dieser Schriftstücke heißt es, dass nach Abschluss der Bibelstunde am 5. Oktober 1936 einigen Besuchern beim Betreten der Turmhalle eine Veränderung auffiel. Die Holzfigur, zu deren Kauf die Dresdner Kreuzkirche mit 1.500 Mark beigetragen hatte, war verschwunden.

Auf Beschluss des Vorstandes der Apostelkirchgemeinde sei sie in eine „Abstellkammer“ gebracht worden. Mit Sicherheit ist anzunehmen, dass dies auf Betreiben des in Trachau wohnenden Kunstmalers Willy Waldapfel (1883-1965) geschah. Genannter war nicht nur Fraktionssprecher der NSDAP im Dresdner Stadtrat und Hauptverantwortlicher der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1933 im Lichthof des Rathauses, sondern er war auch Vorstandsmitglied der Apostelkirchgemeinde. „Aus gutem Grunde“ hatte er im Mai 1945 seine Geburtsstadt Dresden in Richtung Hessen verlassen. Arthur Lange, von dem nicht alle seiner Arbeiten erfasst und erhalten geblieben sind, verstarb am 11. Juni 1929 im Alter von 54 Jahren in Dresden. Beigesetzt wurde er auf dem Johannisfriedhof in Meißen. Die Holzfigur hat nach 1945 ihren festen Platz im Gemeindesaal der Apostelkirche gefunden.

Die Figurengruppe zeigt die weltbekannte Rot-Kreuz-Schwester Elsa Brändström (1888-1948) mit einem gefallenen Soldaten. Quelle: Wikimedia Commons/Radler59, CC BY-SA 3.0

Angefügt sei, dass Architekt Oswin Hempel und Bildhauer Arthur Lange am 21. Oktober 1925 den ersten Preis für den Entwurf eines Ehrenmals für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Wurzener Bürger erhielten. 1926 wurde entschieden, selbiges auf dem Alten Friedhof in Wurzen zu errichten. Am 11. Juni 1929, inmitten der Arbeiten, starb Arthur Lange. Der Dresdner Bildhauer Georg Wrba (1872-1939) übernahm die Ausführung und Fertigstellung der Figurengruppe. Am 10. Mai 1930 wurde das Ehrenmal eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Die letzte Beisetzung auf dem Alten Friedhof fand 1948 statt. Nach 1975 wurde er zu einer großen Parkanlage im Herzen von Wurzen umgestaltet.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
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