Wilder Mann Str 44

Onlinepetition zum Erhalt des Hauses in der Wilder-Mann-Straße 44

Der mögliche Abriss eines Gründerzeithauses in der Wilder-Mann-Straße 44 ist auf ein unterschiedliches Echo bei Anwohnern und in der Politik gestoßen. In den Kommentaren unter unserem Beitrag vom 27. Februar – auch auf der Facebookseite von Pieschen Aktuell – sprechen sich Leserinnen und Leser für den Erhalt des Mehrfamilienhauses aus. Andere Kommentatoren verweisen darauf, dass die Entscheidung über die Zukunft des Hauses in erster Linie Sache des Eigentümers sei. Weil das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, muss der Eigentümer, die Projektgesellschaft WM44 GmbH mit Sitz in Reutlingen, den Abriss beim städtischen Bauaufsichtsamt nur anzeigen. Dies sei bereits geschehen und den im Haus verbliebenen drei Mietparteien sei zum 31. Mai gekündigt worden, hatte saechsische.de am 28. Februar berichtet.

Aus der Politik kommen bisher Forderungen zum Erhalt des Gebäudes. Thomas Löser, Stadtrat und Grünen-Landtagsabgeordneter, hat eine Onlinepetition unter dem Titel „Gründerzeithaus auf der Wilder-Mann-Str. 44 sanieren und nicht abreißen!“ gestartet. In dem Petitionstext heißt es unter anderem. „Der Eigentümer will das Haus nach ‚Entmietung‘ abreißen und durch einen Neubau ersetzen. Die Stadt Dresden wird aufgefordert alles ihr möglich zu tun, um das Haus zu sanieren und einen Abriss zu verhindern.“ Bisher wurde die Petition von 987 Personen unterstützt. (Stand: 2. März, 16 Uhr).

Auch Stefan Engel, SPD-Stadtrat für den Stadtbezirk Pieschen und baupolitischer Sprecher seiner Fraktion, hat sich für den Erhalt des etwa 120 Jahre alten Mehrfamilienhauses ausgesprochen. „Der Abriss des Gebäudes wäre ein heftiger städtebaulicher Verlust. Wir fordern die Verwaltung auf, alle Schritte zu unternehmen, um diesen Verlust zu verhindern“, erklärte er. Zweifelsohne sei der Sanierungsaufwand nicht zu unterschätzen, „den Weg der einfachen Profitmaximierung lehnen wir aber ab“, fügte Engel hinzu. Es gehe hier um den Charakter von Trachau als gründerzeitliches Quartier. Der Erhalt der alten Bausubstanz liege vielen Menschen am Herzen. Engel sprach sich dafür aus, die Einführung einer Erhaltungssatzung für Trachau zu prüfen. Das werde zwar im aktuellen Fall nicht greifen, aber, so Engel, „viele dutzend Altbauquartiere in Dresden sind über diesen Weg schon geschützt worden“. Der Abbruch von Gebäuden unterliege dann einer behördlichen Genehmigung, erläutert er den Sinn einer Erhaltungssatzung.

In der vergangenen Woche hatte die Facebookseite „Verschwundenes Dresden“ des Fotografen Ray van Zeschau über den geplanten Abriss des Gründerzeithauses in Trachau berichtet.

22 Meinungen zu “Onlinepetition zum Erhalt des Hauses in der Wilder-Mann-Straße 44

  1. Wie kann die Stadt Dresden dieses Grundstück verkaufen ohne Auflage zum Erhalt dieses Gebäudes? Gibt es in Dresden keine Denkmalschutzbehörde? Unglaublich!

    • Das Gebäude gehörte offenbar mal der (vor 2006 kommunalen) WOBA/Vonovia. Seitdem und auch jetzt ist es aber in privater Hand. Was natürlich nichts daran ändert, dass die Denkmalschutzbehörde es unter Schutz stellen und damit den Abriss unter Umständen verhindern könnte.

  2. Was für eine Frage, natürlich erhalten.
    Wie würde dort denn ein neues kastenförmiges Haus aussehen😢 passt doch gar nicht in das Straßenbild

  3. Wie kann eine Stadt diese Entscheidung einem Investor ohne Auflagen zur Erhaltung überlassen? das ist verantwortungslos! Bereits das Gründerzeithaus Leipziger Straße 33 wurde vor kurzem einfach abgerissen.

  4. In jedem Neubaugebiet wird dir vorgeschrieben, welche Farbe die Dachschindeln und die Fassade haben dürfen, wegen des Gesamtbildes. Und wehe, du willst nur n Carport bauen. Aber so ein Stück neumodischen Würfelhusten mitten in ein Gründerzeitviertel klatschen?
    No problem …

  5. Kapiert von den (Abriss-) Verantwortlichen niemand daß diese historische Architektur Dresden so viel wertvoller macht? soll man als Dresdner diese (Investoren-) Gier zulassen? wem gehört diese Stadt?

    ABRISS STOPPEN!

  6. Martin Deppe 3. März 2020 at 16:06 -

    Unfassbar, das ganze Viertel ist ein Juwel. Ich kann das gar nicht glauben. Ich sehe folgende Chance: Die drei verblieben Mieter nach aller Möglichkeit unterstützen, damit sie nicht in den nächsten Monaten ausziehen müssen.
    Währenddessen muss das Viertel unter Ensembleschutz gestellt werden, wie das in Blasewitz und Striesen t.w. auch der Fall ist.

    Wenn das Haus übrigens ein Denkmal wäre, könnte der Besitzer für die Sanierung auch interessante steuerliche Vergünstigungen bekommen.
    Das Haus muss stehen bleiben.

    • Was soll das Gejammer. Die Auflagen werden keineswegs durch Fördermittel und steuerliche Vergünstigungen aufgewogen. Das Gebäude ist in einem erbärmlichen Zustand. Das nicht erst seit der Privatisierung. Da wurde auch unter staatlicher Verwaltung nichts getan. Eine Sanierung unrentabel wenn überhaupt ausführbar. Manchmal ist auch ein Abriss erforderlich. Ein Neubau kann, unter entsprechenden Vorgaben, auch sehenswert sein.
      Übrigens, ob saniert oder Neubau, die Miete wird entsprechend sein. Jedenfalls nicht mehr auf dem jetzigen Niveau.

  7. Dr. Wolfgang Erwerzh 3. März 2020 at 17:30 -

    Der Abriss dieses Wohnhauses ist ein starker Verlust für Trachau. Das Bauamt muss die Sanierung erzwingen. Als wir Haus 35 saniert haben erklärte das Denkmalamt das Wohngebiet Trachau, insbesondere die Wilder-Mann-Strasse zu einer Schutzzone. Die Häuser sind unbedingt zu erhalten.

  8. Weitkus, Norbert 3. März 2020 at 18:08 -

    Hallo, ich habe gerade den Artikel in der SZ gelesen, mir verschlug es die Sprache. Der Wilde Mann ist eine städtebauliche Einheit und sollte nicht durch finanzgierige Überlegungen zerstört werden. Die energetische Sanierung von älteren Gebäuden ist möglich und sollte auch durchgeführt werden. Ich möchte den Bewohnern und dem Haus gern helfen, als Nachbar und Stadtteilbewohner.

  9. andreas ollesch 3. März 2020 at 18:17 -

    Ich bin entsetzt über die Abrisspläne!
    Dieses schöne Haus muß unbedingt erhalten werden, und die Sanierung wird sich in diesem schönen Viertel auch rechnen.
    Der Gedanke das dort wieder so ein häßlichers gesichtsloses Würfelhaus entsteht lässt einen erschaudern !
    Da kann doch die Stadt Dresden nicht tatenlos zusehen !

  10. Das Haus darf auf keinen Fall abgerissen werden!!!
    Das beste Beispiel für eine gelungene Sanierung sind die beiden Häuser in der Burgsdorffstr. 8 und 10 (schräg gegenüber). Diesen Häuser war lange Zeit genauso der Verfall äußerlich anzusehen.
    Das Haus gehört einfach zu diesem Ensemble.
    Die zwei Kastenhäuser auf der Wilder-Mann-Straße und Kronenstraße reichen nun wirklich in unserem schönen Viertel.

    • Die Sanierung der 8 und 10 ist nicht absolut denkmalgerecht und bei der Ausführung sollte man schon genau hinsehen. Kaltmiete übrigens 11,00 €.

    • Ja teuer saniert, aber qualitativ zum davonlaufen. Und die vorhergehenden Mieter zu denen vielen alternative junge Leute und Familien gehörten mussten wegziehen. Selbiges passiert jetzt mit diesem Haus. Ein Freund von uns ist inzwischen ausgezogen, weil es leider immer mehr verfällt und es den Besitzer seit Jahren nicht interessiert, was aus diesem Haus werden soll. Abreißen, eine 0815 Hundehütte hinklatschen und teuer vermieten rechnet sich für den Besitzer doch viel mehr. Geschichte, Gesamtbild oder gar soziales Wohnen juckt die doch nicht.

  11. Martin Deppe 6. März 2020 at 20:55 -

    Lieber @Andreas, ich kann mich gut daran erinnern, dass die kompletteAltbausubstanz Dresdens in einem Zustand war wie dieses Haus jetzt ist, teilweise noch viel schlechter. Und heute haben wir Stadtquartiere in Striesen, Blasewitz, Trachau, Pieschen usw. die in Deutschland ihres gleichen suchen! Das Haus muss erhalten bleiben!

    • Sehr geehrter Herr Deppe,
      kennen sie den tatsächlichen Zustand anhand eines Gutachtens. Ist ihnen der Aufwand für eine Erhaltung, wenn überhaupt tatsächlich möglich, bekannt ? Auch in den anderen Gebieten konnte nicht alles erhalten werden, wenn Sie schon die komplette Bausubstanz zum Vergleich heranziehen. Ist die Entscheidung der Eigentümer rechtmäßig zu beanstanden ? Nur weil es einigen nicht gefällt ist ein solcher Aufriß übertrieben. Übrigens: Haben sie möglicherweise auch mal die Marktwirtschaft gewollt ?

  12. Was will denn ein Investor aus Reutlingen gutes für diese Stadt tun, er will Gewinne erwirtschaften, so viele wie irgend möglich, ihm ist egal was er mit einem Abriss anrichten würde, Hauptsache Gewinn!

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