Ehrenamt für Alle: Erste Helfer erfolgreich vom „Auftrieb“ vermittelt

Anfang dieses Jahres startete die Kontakt- und Begegnungsstätte für Arbeitslose „Auftrieb“ des DRK-Dresden mit dem Projekt „Ehrenamt für Alle“. Die ersten Ehrenamtlichen konnten die Sozialpädagoginnen Céline Nawrat und Maxi Luise Kabella bereits erfolgreich vermitteln.

Einer von ihnen ist Torsten Reinke. Der 56-Jährige engagiert sich seit etwa zwei Monaten direkt im „Auftrieb“. Der gelernte Maler und Lackierer hat Anfang der 90er Jahre eine Lehre zum Bankkaufmann absolviert. Nachdem sein Arbeitsplatz fusionsbedingt abgebaut wurde, hatte er sich mit einem Callcenter in die Selbständigkeit gewagt. Acht Jahre später musste er das Geschäft aufgeben. Das war 2016. Seitdem ist er arbeitslos, aber nicht ohne Zukunftsvisionen. Im handwerklich künstlerischen Bereich würde er gern beruflich Fuß fassen. Seine Kreativität konnte er in einer Maßnahme des Jobcenters unter Beweis stellen. In einer Einrichtung des Universitätsklinikums, in der auch krebskranke Kinder behandelt werden, konnte er individuelle kindgerechte Mutmach-Urkunden gestalten. Seit zwei Jahren lebt er in Pieschen und traf diesen Sommer zufällig eine Bekannte wieder, die beim DRK tätig ist. Von ihr erfuhr er vom Treffpunkt „Auftrieb“. Jetzt ist er regelmäßig freitags in der Malgruppe dabei und nutzt montags die Kreativangebote.

„In den Gesprächen habe ich dann auch von dem Ehrenamtsprojekt erfahren. Das hat mich interessiert“, erzählt er. Anfangs übernahm er es, die Flyer mit dem Monatsprogramm des „Auftrieb“  bis zur Dresdner Tafel auf die Zwickauer Straße zu schaffen. „Irgendwann fragte er, wer die Monatsprogramme eigentlich zuschneidet und in die Flyer legt“, erinnert sich  Céline Nawrat. „Als er hörte, dass wir das selbst machen, bot er an, diese Aufgabe zu übernehmen. Auch als wir Ende August Unterstützung bei der Vor- und Nachbereitung des Flohmarktes an der Markuskirche benötigten, war er sofort bereit, mitzumachen.“

Torsten Reinke hat viele Ideen und ist gern kreativ. Foto: C. Trache

Inzwischen übernimmt Torsten Reinke die komplette Verteilung der monatlichen Flyer. „Darüber freue ich mich sehr“, betont er. „Da habe ich einen Grund rauszukommen und mein Tag bekommt mehr Struktur. Außerdem komme ich so mit Menschen und anderen Einrichtungen ins Gespräch. Daraus könnte sich ja vielleicht auch beruflich etwas ergeben.“ Im Gespräch mit ihm spürt man seinen Tatendrang und den Willen seinem Leben noch mehr Sinn und Perspektive zu geben. „Ich möchte gern mehr machen.  Zeit genug habe ich ja. Auch inhaltlich ist es mir auf Dauer zu wenig.“

Unterstützung erhält Torsten Reinke bei diesen Vorhaben von den beiden Sozialpädagoginnen im „Auftrieb“. Gemeinsam suchen sie nach weiteren Möglichkeiten für das ehrenamtliche Engagement. Daran knüpft sich auch die Hoffnung, dass sich eine bezahlte Tätigkeit ergeben kann. „Mit seinem Engagement und seiner Zuverlässigkeit entlastet er uns im Auftrieb sehr“, schätzen die Sozialpädagoginnen ein. Es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen, betont auch Torsten Reinke.

Wertschätzung und Freundlichkeit erfahren

Seit Mitte Oktober ist Rhena H. (der vollständige Name ist der Redaktion bekannt) regelmäßige Besucherin des „Auftrieb“. Sie hat durch einen Zeitungsbericht von der Kontakt- und Begegnungsstätte und dem Ehrenamtsprojekt erfahren. Seitdem ist sie ebenfalls freitags in der Malgruppe aktiv. Die gelernte Krippenerzieherin hat später noch einen Berufsabschluss als Arzthelferin erworben. Seit reichlich fünf Jahren ist die 59-Jährige nun schon arbeitslos. Sie wünscht sich eine ehrenamtliche Aufgabe oder einen Minijob, bei dem sie sowohl draußen körperlich arbeiten, aber auch geistig tätig sein kann.

Maxi Luise Kabella (l.) im Beratungsgespräch mit Rhena H. Foto: C. Trache

Auch ihr konnten Céline Nawrat und Maxi Luise Kabella bereits weiterhelfen. Die redaktionelle Mitarbeit in einer Schreibwerkstatt ist angebahnt, der Kontakt zur Laurentiuskirchgemeinde ebenfalls. Hier ergibt sich eventuell die Möglichkeit, sich bei der Pflege der Pfarrgärten und des Friedhofes zu engagieren. „Ich bin sehr froh, den ‚Auftrieb‘ kennengelernt zu haben. Hier erfahre ich Wertschätzung und Freundlichkeit, die ich in den letzten Jahren so nicht überall erlebt habe“, erzählt sie. „Schon mehrfach habe ich hier auch Beratungsangebote angenommen und wertvolle Impulse erhalten.“ Sie ist sehr dankbar, dass trotz der coronabedingten Einschränkungen der „Auftrieb“ einen Teil seiner Angebote, wie die Malgruppe am Freitag, aufrechterhalten kann.

Beratung während eines Spazierganges

Seit Beginn des zweiten Lockdowns Anfang November bieten die Sozialpädagoginnen ihren Besucherinnen und Besuchern individuelle Beratungsgespräche während eines Spazierganges an. Falls die Bestimmungen nochmal verschärft werden sollten und sich auch die Malgruppe nicht mehr in Kleinstgruppen zu zweit treffen darf, würde auch Rhena H. stattdessen ein Spaziergehangebot wahrnehmen. „Auf den Freitag freue ich mich immer. Es wichtig für mich, um eine gewisse Tagesstruktur zu haben, egal, ob Malen oder Spazierengehen. Unter Menschen zu kommen und miteinander reden zu können, hilft mir sehr“, betont sie.

Auch Céline Nawrat und Maxi Luise Kabella ist es wichtig zu betonen, dass sie auch während dieser schwierigen Corona-Zeit für Beratungsgespräche und Unterstützung bei der Jobsuche zur Verfügung stehen, auch wenn das zurzeit nur auf Anmeldung und nicht mehr spontan möglich ist.  „Auch in dieser Zeit werden Ehrenamtliche gesucht“, sagen sie und möchten Erwerbslose im Alter von 18 bis 65 Jahren aus den Fördergebieten Dresden- Nord, Johannstadt und Friedrichstadt, die sich gern gesellschaftlich engagieren möchten, ermutigen, sich zu melden und ein individuelles Gespräch zu vereinbaren. Gemeinsam ermitteln sie zunächst die Interessen und Stärken, um dann den geeigneten Einsatzort zu finden.

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