Corona-Pandemie: Gastronomen kritisieren erneute Schließungen

„Das ist reiner Aktionismus.“ Die Reaktion von Frank Ollhoff, Inhaber des „Petit Frank“ in der Bürgerstraße ist eindeutig. Gerade war die Nachricht über den Ticker gelaufen, dass die Gastronomiebetriebe ab 2. November für einen Monat schließen sollen. Darauf hatten sich Bund und Länder in der heutigen Telefonkonferenz zur Eindämmung der Corona-Pandemie verständigt. „Was soll damit erreicht werden“, fragt der Gastronom. „Bei uns gelten strenge Hygieneregeln, die Nachverfolgung im Infektionsfall ist gesichert. Jetzt werden die Leute ins Private gedrängt, wo niemand die Einhaltung von Hygieneregeln kontrollieren kann“, äußert er sein Unverständnis. Viele haben in die zusätzlichen Hygienemaßnahmen investiert und dürfen nun doch nicht geöffnet bleiben. „Das nimmt einem doch jede Motivation“, meint er.

Auch Detlef Hamann, Hauptgeschäftsführer der IHK Dresden, sieht die Schließung der Gastronomieeinrichtungen kritisch. Er findet die Pläne von Bund und Ländern doppelt gefährlich. Eine erneute mehrwöchige Schließung treibe „viele an den Rand der geschäftlichen Existenz oder darüber hinaus“, sagte er. Außerdem, und da ist er auf einer Linie mit dem Petit-Frank-Inhaber, birgt die Schließung die Gefahr, die Menschen aus den Restaurants „ins nachweislich unsichere, private Umfeld zu verdrängen und so neue Infektionsherde entstehen zu lassen“.

Um die Last der erneuten Schließungen zu mindern, will der Bund den betroffenen Unternehmen, Betriebe, Selbständige, Vereine und Einrichtungen „eine außerordentliche Wirtschaftshilfe gewähren, um sie für finanzielle Ausfälle zu entschädigen. Der Erstattungsbetrag beträgt 75% des entsprechenden Umsatzes des Vorjahresmonats für Unternehmen bis 50 Mitarbeiter, womit die Fixkosten des Unternehmens pauschaliert werden“, heißt es im Protokoll der heutigen Videokonferenz.

Nam Do, Inhaber des Bistros Street Food Vietnam, will in Mickten seinen Onlinebestellservice wieder hochfahren. Den hatte er im Frühjahr aufgebaut und erfolgreich etabliert. „Viele Kunden waren solidarisch und haben weiter unser Angebot genutzt“, sagte er. Obwohl seit Mai wieder geöffnet sei, war die Bestellplattform die ganze Zeit erreichbar. Nun, so rechnet er, werde sich der Umsatz wieder auf die Abholangebote verschieben. Einen Lieferservice plant er für den Standort in Mickten nicht.

Auch das Petit Frank will sich wieder auf Onlinebestellungen vorbereiten. Jeden Freitag soll ein Drei-Gang-Menü zum Abholen gekocht werden, kündigt Frank Ollhoff an. Das sei von den Kunden im Frühjahr beim ersten Lockdown gut angenommen worden.

Am 16. Oktober feierte das Rausch die Neueröffnung – nun müssen die Türen wieder schließen. Foto: W. Schenk

Knapp zwei Wochen konnte das Team um Christoph Töpfer im neu eröffneten „Rausch“ die Gäste begrüßen. Nun müssen die Türen schon wieder geschlossen werden. „Wir bereiten uns auf den Außer-Haus-Verkauf von Bier und Speisen vor“, kündigte er an. Auch Bier? Ja, betonte Töpfer. Vielleicht gebe es eine Lösung mit Pfand-Gefäßen. Den kommenden Monat wolle man nutzen, um den Innenausbau abzuschließen. Keller, barrierefreies WC, Lampen, Dekoration und der Gasanschluss für die Küche – es gebe noch genug Baustellen. Derzeit würde elektrisch gekocht. Auch die Außengestaltung sei noch nicht abgeschlossen. Trotz der noch ausstehenden Arbeiten bedauert Christoph Töpfer die aktuelle Entscheidung. „Das wir schon wieder schließen müssen, ist für uns kein Glücksfall.“

Bund und Länder hatten sich heute in einer Videokonferenz auf neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verständigt. Sie sollen ab 2. November in Kraft treten und einen Monat gelten. In zwei Wochen will man sich über mögliche Anpassungen verständigen. Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht die Reduzierung der Kontakte auf ein absolut nötiges Minimum. Der Aufenthalt in der Öffentlichkeit sei daher „nur mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes, jedoch in jedem Falle maximal mit 10 Personen gestattet. Die Bürgerinnen und Bürger sind aufgefordert, generell auf nicht notwendige private Reisen und Besuche – auch von Verwandten – zu verzichten. Das gilt auch im Inland und für überregionale tagestouristische Ausflüge“, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.

2 Meinungen zu “Corona-Pandemie: Gastronomen kritisieren erneute Schließungen

  1. Luisa sagt:

    Allen, die jetzt um ihre Existenz bangen, wünsche ich viel Kraft für die nächsten Wochen. Die Angebote im Stadtteil, die (online, außer Haus) möglich sind, werde ich weiter nutzen, wo es geht Kultur unterstützen.

    „Bedankt“ euch bei denen, die sich in den letzten Monaten nicht an einfache Regeln hielten und ihre Meinung wichtiger nahmen, als Vorsorge. Erst gestern im Supermarkt liefen genug Gestalten ohne MNS herum, selbstgefällig.

    Es tut mir leid für die ganzen Gastronomen, Veranstalter, Kulturschaffenden, die gute Konzepte erarbeitet und vor allem auch konsequent umgesetzt haben und jetzt durchhalten müssen.
    Ich werde ab Montag wieder vor neun verschiedenen Klassen stehen in einer Branche, wo es außer Lüften aktuell kein Konzept gibt, und hoffen, ansteckungsfrei über den Winter zu kommen

  2. Rainer Witz sagt:

    Dem ist nichts mehr hinzuzufügen… Ich bin gespannt, wann wir neuen werden, wie viel Wohlstand wir schon verloren haben. Die 75% Ausfallentschädigung will ja auch bezahlt werden und das geht nur, wenn an anderer Stelle eingespart wird.

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