Wohnungsnotfallhilfe

Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden: mehr betroffene Frauen und große Konkurrenz um preiswerte Wohnungen

Die Zahl der Menschen in Dresden ohne Wohnung steigt. Der Anteil der Frauen und der Haushalte mit Kindern ohne eigene Wohnung hat zugenommen. Zudem sei es immer schwieriger und mit weitaus größerem Aufwand verbunden, den Betroffenen eine neue Wohnung zu sichern. Diese Tendenzen nannte Michael Schulz, Leiter der Wohnungsnotfallhilfe der Diakonie Dresden, heute bei der Präsentation der Statistikdaten 2018. Als Gründe für die wachsende Not nannte er die anspannte Lage auf dem Wohnungsmarkt, die steigende Zahl der Zwangsräumungen und die deutlich gewachsene Konkurrenz um die Wohnungen mit niedrigen Mieten. Es sei keine Seltenheit, dass Betroffene 30 bis 40 Mal bei Vermietern vorsprechen müssten.

Bei der Wohnungsnotfallhilfe in der Mohnstraße 43 haben sich im vergangenen Jahr 1.040 Hilfesuchende gemeldet. „Dabei ist der Anteil der Frauen auf 35 Prozent angestiegen. 2016 lag die Zahl noch unter 30 Prozent“, sagte Schulz. 93 Prozent der Wohnungslosen seien alleinstehend. Die Altersgruppe der 21- bis 40-Jährigen würden mit 55 Prozent den größten Anteil unter den Betroffenen stellen.

Bei ihrem ersten Besuch in der Wohnungsnotfallhilfe seien 525 Menschen wohnungslos und 256 von Wohnungslosigkeit bedroht gewesen. Der Anteil der Arbeitslosen habe bei 69 Prozent gelegen, 12,5 Prozent hätten ein bestehendes Arbeitsverhältnis gehabt.

Schulz verwies darauf, dass die Situation für geringfügig Beschäftigte, die gleichzeitig auf staatliche Beihilfen angewiesen sind, besonders kompliziert sei. Zwar würden sie am Ende mehr Geld erhalten, als wenn sie nur von Sozialhilfe leben würden, der Aufwand an Bürokratie sei für sie jedoch unverhältnismäßig hoch. 254 Hilfesuchende, das waren 24 Prozent, hätten überhaupt kein Einkommen gehabt. Dies seien oft Menschen, die von verschiedenen Hartz-IV-Sanktionen betroffen sind, bis hin zur Einstellung der Zahlungen für die Kosten der Unterkunft. Einen direkten Zusammenhang zwischen den derzeit gerade umstrittenen Sanktionen und der Wohnungslosigkeit wollte er so nicht bestätigen, jedoch sei klar, dass jede Sanktion die soziale Schieflage der Betroffenen drastisch verschärfe.

Schulz schilderte auf dem Pressetermin heute eine weitere Beobachtung. Der Anteil von Hilfesuchenden aus dem Ausland sei angestiegen. Neben den anerkannten Asylbewerbern seien dies vor allem Menschen aus EU-Ländern, die meist zum Arbeiten herkämen. Deren Anteil werde statistisch aber nicht erfasst. Besonders aus Polen, Tschechien, der Slowakei aber auch aus Portugal seien Menschen betroffen, die zeitweise ihre Arbeit verlieren. Da so oft vom Arbeitgeber untergebracht würden, stünden sie dann ohne Wohnung da.

Die Wohnungsnotfallhilfe bietet den Hilfebedürftigen Beratung und Unterstützung im Umgang mit den Behörden an. Zudem gebe es eine Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen oder Bekleidung aus der Kleiderkammer zu erhalten. Im Tagestreff „Schorsch“ könnten sie bei Bedarf eine Postadresse einrichten. Dies sei für die Kommunikation mit den Behörden eine elementare Voraussetzung.

Im Ergebnis längerfristiger Hilfen konnte die Einrichtung in bei 419 Betroffenen das Einkommen und in 108 Fällen den Wohnraum sichern. Für 98 Hilfesuchende wurde eine neue Wohnung, für 73 Betroffene eine vorübergehende Unterkunft gefunden.
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Zum Thema:

Wohnungsnothilfekonzept der Stadt Dresden, vom Stadtrat Ende September 2018 beschlossen [/box]

Stadtweit stehen in acht Übergangswohnheimen rund 300 Plätze für Wohnungslose zur Verfügung. So auch in der Hubertusstraße in Pieschen. Von den 55 Plätzen sind derzeit 46 belegt, sagt Heimleiter Dieter Haufe. Er hat einen Anstieg der Zahl der Wohnungslosen mit einem Suchtproblem konstatiert. Oft seien Betroffene mehrfach geschädigt und neben ihrer Sucht auch psychisch krank oder auffällig. Verbunden damit sei zudem häufig ein steigendes Aggressionspotential. Die Einrichtung, die von der SZL Suchtzentrum gGmbH betrieben wird, verfüge zudem über fünf Notschlafplätze. Die seien vor allem in den kalten Monaten gefragt, so Haufe.

 

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