apostelkirche

Brendler’s Geschichten: Im März 1929 erhielt die Apostelkirche ihre Weihe

Der „Dresdner Nordwestbote“ vom Oktober 1908 druckte unter der Titelzeile „Auspfarrung Trachau“ folgende im „Dresdner Anzeiger“ vom 17. Sept. 1908 veröffentliche Bekanntmachung ab: „Hierdurch wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Vorstadt Trachau mit Genehmigung des Evangelisch-lutherischen Landeskonsistoriums mit dem 1. Oktober 1908 aus der Emmausparochie zu Dresden-Kaditz ausgepfarrt wird und von da eine selbständige Kirchgemeinde Dresden-Trachau mit eigenem Pfarramt bildet.“

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Das durch Anzeigen ansässiger Geschäftsleute finanzierte Vereinsblatt erschien ab Dezember 1906 bis Februar 1913 monatlich einmal. Foto: Archiv K. Brendler

In den ersten Vorstand der Apostelkirchgemeinde wurden der Pfarrer Alexis Eduard Fischer, die Alttrachauer Gutsbesitzer Johann Heinrich Trobisch und Friedrich August Adam sowie die Beamten Hermann Donath, August Pählig, Arthur Heinrich Schubert und Albin Matthes gewählt. Letztere wohnten allesamt im nördlich von der Eisenbahnstrecke Leipzig-Dresden gelegenem „neuen“ Trachau. Dieser Vorstand beschloss am 3. November 1908 die neue Kirchgemeinde  „Apostelkirche“ zu nennen.

alexis eduard fischer

Alexis Eduard Fischer (1868-1949) war ab 1897 zwei Jahre lang Hilfsgeistlicher und anschließend bis 1934 der erste Pfarrer Trachaus. Foto: Archiv K. Brendler

Bedingt durch das zahlenmäßige Anwachsen der Gemeinde unternahm der Kirchenvorstand im Herbst 1911 erste Schritte für den Bau einer Kirche. Er beauftragte den Dresdner Architekten Oswin Hempel (1876-1965) mit einem Entwurf, den dieser ein Jahr später vorlegte.

Der am 1. August 1914 ausbrechende Weltkrieg rückte aber den so dringend notwendigen Trachauer Kirchenbau völlig in den Hintergrund. Erst ein ganzes Jahrzehnt später konnte sich die Apostelkirchgemeinde wieder mit dem Bau einer Kirche befassen.

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Dr. med. Paul Amadeus Schmidt (1867-1945) war der erste praktische Arzt, der sich 1895 in der Vorortgemeinde Trachau niedergelassen hatte. Foto: Archiv K. Brendler

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erhielt Dr. med. Schmidt das Vertrauen der Apostelkirchgemeinde. Er wurde in deren Vorstand als Stellvertreter gewählt. Um die finanziellen Mittel für den Bau einer Kirche zu erbringen, rief er am 21. Juni 1924 einen Verein ins Leben. An der Gründung des Kirchbauvereins beteiligten sich zunächst 30 Gemeindemitglieder, zu denen auch das Ehepaar Hugo und Melitta Bentz zählte.

Im Laufe des Jahres 1924 wuchs die Mitgliederzahl auf fast 380. So waren unter anderem 34 Lehrer, sieben Fabrikbesitzer und Fabrikdirektoren, fünf Gastwirte, neun Fleischer- und Bäckermeister, eine große Zahl Beamter und Angestellter sowie sechs Trachauer Vereine als Mitglieder des Kirchbauvereins aufgelistet.

Nach Überarbeitung des Entwurfs, den der Architekt Oswin Hempel 1912 vorgelegt hatte, konnte schließlich im August 1927 mit den Bauarbeiten begonnen und am 9. Oktober des gleichen Jahres der Grundstein gelegt werden.

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Oswin Hempel (1876-1965) ist der Architekt der Apostelkirche. Foto: Archiv K. Brendler

Nach achtzehnmonatiger intensiver Bautätigkeit erhielt die Apostelkirche mit Gottesdienstraum, künstlerisch gestalteter Taufkapelle, Unterrichts-, Versammlungs- und Wirtschaftsräumen sowie Kanzlei und Wohnung für den Pfarrer am 10. März 1929 die feierliche Weihe.

Professor Oswin Hempel schrieb zu den Leitgedanken bei der Planung des Grundrisses und bei der Gestaltung des Inneren in der 1929 erschienenen Festschrift wie folgt: „Als mit vieler Mühe die finanziellen Mittel für ein eigenes Haus beisammen waren, verzichtete man auf die Errichtung einer Kirche, das heißt eines reinen Kultbaus. Die Bedürfnisse der Gemeinde erforderten vielmehr in erster Linie die Erfüllung ganz realer Notwendigkeiten.“ So war daher auch keine Kirche in hergebrachter Weise entstanden, sondern „… ein Gemeindehaus, dessen Räumlichkeiten bis in die Dachstühle hinauf praktisch ausgenutzt…“ werden können.

Der Architekt Oswin Hempel schuf in Dresden neben der Apostelkirche unter anderem auch den Kirchensaal des Diakonissenhauses und die Architektur zum Schillerdenkmal 1913 am Albertplatz. 1957 machte er einen Vorschlag zur Bebauung des Neumarktes.

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Der Bildhauer Theodor Artur Winde (1886-1965) schnitt Schrift und Symbole in Holz in das Haupttor – siehe Foto – und auch für die Kanzel und die Türen der Taufkapelle. Foto: K. Brendler

Die in der Buchdruckerei der Dr. Güntzschen Stiftung Dresden hergestellte und anlässlich der Weihe 1929 herausgegebene Festschrift enthält ausführliche Angaben zum Bauausschuss, zu den Mitarbeitern am Werk sowie zu den Förderern und Spendern: „Der Bildhauer Curt Dämmig (1884-1944) formte in Töpferton die zwölf Apostel […]. Mit der linken Hand entwarf der Kunstmaler Professor Hans Nadler (1879-1958) die Kartons der vier Wandbilder der Taufkapelle und kratzte diese aus verschiedenfarbigen, übereinanderliegenden Putzschichten heraus. Die Holzfigur des mühseligen und beladenen Mannes in der Turmhalle schuf der Bildhauer Arthur Lange (1875-1929). […] Die drei Glasmalereien der Altarfenster sind Arbeiten des Kunstmalers Professor Paul Rößler (1873-1957). Die sieben Glaseinsätze der Gemeindesaalfenster und das Fenster der Sakristei hat der Kunstmaler Bernhard Müller (1880-1965) geschaffen“.

Am Bau der Apostelkirche waren neben den aufgeführten bildenden Künstlern auch renommierte Dresdner Baufirmen sowie eine Vielzahl Handwerksbetriebe aus Trachau, Mickten, Pieschen und Trachenberge beteiligt.

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Im Gemeindesaal der Apostelkirche werden nicht nur Gottesdienste abgehalten, er wird auch für verschiedene Veranstaltungen genutzt. Foto: K. Brendler

Fünfundsechzig Jahre nach der Kirchenweihe und fast auf den Tag genau, gründete sich am 5. März 1994 im Gemeindesaal der Apostelkirche die Wohnungsgenossenschaft Trachau-Nord. Da der Saal die Interessenten nicht fassen konnte, wurde die Veranstaltung an Ort und Stelle wiederholt. Die darauf in die Genossenschaft eintretenden Teilnehmer beider Veranstaltungen zahlten einen ersten Geschäftsanteil und wählten den Aufsichtsrat.

Ein wichtiger Meilenstein zur Sicherung der Wohnungsgenossenschaft war der einstimmige Beschluss des Dresdner Stadtrates vom 1.Juni 1995, den Oberbürgermeister als Aufsichtsratsvorsitzenden der Wohnbau NordWest GmbH zu beauftragen, die Privatisierung von rund 1.800 Wohnungen der sogenannten „Hans-Richter-Siedlung“ an die neu gegründete Wohnungsgenossenschaft Trachau-Nord zu veranlassen.

Die Wohnungsgenossenschaft Trachau-Nord, die gegenwärtig rund 1.650 Wohnungen verwaltet, kann unter dem  Motto “Hier sind wir zu Hause!” auf ein Vierteljahrhundert erfolgreicher Entwicklung verweisen.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
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