Altkaditz

Brendler’s Geschichten: Die Kaditzer Friedhöfe der Laurentiusgemeinde Trachau

Der 1269 urkundlich erstmals als Kayticz (slaw. Leute des Kojeta) erwähnte Stadtteil im Dresdner Nordwesten gehört zu den ältesten Siedlungen im oberen Elbtal. Name und Bauart des Ortes lassen auf eine slawische Gründung schließen.

Zum 1. Januar 1903 wurde Kaditz, wie auch Mickten, Übigau und Trachau, nach Dresden eingemeindet. Seit 1990 bilden sie gemeinsam mit Trachenberge, Teilen der Leipziger Vorstadt und Pieschen den Ortsamtsbereich Dresden-Pieschen.

Linde Kirche zu Kaditz

Linde und Kirche zu Kaditz (um 1840) – Lithographie von C. W. Arldt (1809-1868). Foto: Archiv K. Brendler

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„Die Kirche zu Kaditz wurde 1273 zum ersten Male urkundlich genannt. […] Ihre ältesten Teile, die dem Heiligen Laurentius geweiht waren, stammen aus der Zeit um 1500“, schreibt Alfred Hahn in „Dresden-Kaditz, Ausschnitte a. d. heimatkundl. Inventarisation der Dresdner Stadtteile“, Dresden 1953.

Die Lithographie zeigt den Turm mit Renaissancegiebel und Satteldach. Sein Oberteil wurde 1869 durch die Radebeuler Baumeister Gebrüder Ziller zu einem achteckigen gotischen Turm von 44,50 Meter Höhe umgebaut. Im Jahr 1904 erhielt sie ihren heutigen Namen: Emmauskirche.

Karl Bernhard Henrici

Karl Bernhard Henrici – Leiter des Kaditzer Pfarramtes von 1876 bis 1903. Foto: Archiv K. Brendler

Das in direkter Nähe zur Kirche gelegene Pfarrhaus, 1686 erbaut und bei einer Feuersbrunst im Jahre 1802 zu großen Teilen zerstört, wurde in Folge wieder aufgebaut. Hier wirkte bis zum Eintritt in den Ruhestand der am 15. Juni 1837 in Bärenstein an der Müglitz geborene Pfarrer Karl Bernhard Henrici. Noch zu seinen Amtszeiten beschloss am 29. Juni 1900 der Trachauer Gemeinderat, die von der Leipziger Straße abzweigende Schulgasse in Henricistraße umzubenennen. Als Begründung wurden dessen langjährige Tätigkeit als Lokalschulinspektor für Trachau und seine 24-jährige Mitgliedschaft im Trachauer Schulvorstand angeführt. Karl Bernhard Henrici starb am 15. Mai 1924. Seine letzte Ruhestätte befand sich auf dem 1898 fertiggestellten Waldfriedhof Weißer Hirsch.

kaditzer friedhoefe

Die Gesamtfläche der Kaditzer Friedhöfe beträgt 7,5 Hektar mit ca. 3.400 Grablagern. A – Pfarrhaus ; B – Kirchfriedhof; C- Serkowitzer Straße; D – Spitzhausstraße. Foto: Peter Haschenz ( 2009)

Der Kirchfriedhof diente bis 1862 als alleiniger Begräbnisplatz für die zum Kaditzer Kirchspiel gehörenden neun Gemeinden. „Diese erstreckten sich von Kötzschenbroda bis Dresden-Neustadt und schlossen auch die heutigen Stadtteile Pieschen, Trachenberge, Mickten, Übigau und Trachau mit ein. Die ältesten Kirchenbücher gehen bis ins Jahr 1597 zurück.

Die umgangssprachlich auch „Franzosenfriedhof“ genannte Begräbnisstätte an der Serkowitzer Straße wurde um 1860 angelegt und ein Jahrzehnt später erweitert. Obwohl seit dem 1.­ Januar 2017 beschränkt geschlossen, steht er für Besucherinnen und Besucher offen.

„Der dritte und jüngste Kaditzer Friedhof wurde am 7. Juli 1878 geweiht. Die dort befindliche Feierhalle gehört zu den schönsten in Dresden. Neben Einzelgräbern finden sich auf diesem Friedhof auch zahlreiche ästhetisch sehr ansprechende und würdevoll gestaltete Urnengemeinschaftsanlagen.“

kirchfriedhof

Der Kirchfriedhof besitzt eine Reihe alter und historisch wertvoller Grabdenkmäler. Foto: K. Brendler (2009)

„Die ältesten Grabsteine entstanden vermutlich zwischen 1730 und 1750. Viele Inschriften sind im Laufe der Jahrhunderte verwittert, aber einige Namen und Lebensdaten sind auch heute noch lesbar. Auf dem Kirchhof selbst steht mit der sogenannten 1000-jährigen Linde ein bedeutendes Naturdenkmal. Das Alter ist nicht eindeutig bestimmbar, aber Schätzungen gehen von 800 bis 1000 Jahren aus.“

Kriegsgefangene

Französische Gefangene beim Bau ihres Barackenlagers zwischen Übigau und Kaditz – nach einer Skizze von Friedrich August Bernhardt (1831-1915).

Auf dem Friedhof an der Serkowitzer Straße befindet sich neben anderen Begräbnisstätten auch eine, auf dem 116 französische Soldaten beerdigt wurden. Seit dem Jahre 2000 ist sie als „Militärische Gedenkstätte“ ausgewiesen. „Die Ereignisse des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 berührten Dresden zwar nicht direkt“, schrieb der Dresdner Kunstforscher Bernd Hünlich (1943-1992) in einem Beitrag für DIE UNION / November 1983, „aber bereits nach den Siegen der deutschen Armeen im August und der ersten Septemberhälfte des Jahres 1870 ergab sich die Notwendigkeit, plötzlich Zehntausende gefangen genommener französischer Soldaten im Hinterland, also auch in Dresden, unterbringen zu müssen. Der erste Transport traf am 16. September 1870 ein. Die Gefangenen fanden zunächst in den Kasernen der Dresdner Garnison Unterkunft. […] Nachfolgende Transporte mit Tausenden Gefangenen wurden in dem […] leicht zu überwachenden Elbbogen zwischen Kaditz und Übigau in einem Barackenlager untergebracht.“ Die dort völlig unzureichenden hygienischen Bedingungen sowie der strenge Winter 1870/71 und nicht zuletzt das Elbehochwasser in der zweiten Februarhälfte 1871 forderten den Tod von über einhundert französischen Kriegsgefangenen.

Feierhalle

Die 1878 fertiggestellte Feierhalle auf dem Friedhof Spitzhausstraße gehört zu den schönsten in Dresden. Foto: K. Brendler (2012)

„Auf allen drei Friedhöfen befinden sich auch Gedenkstätten, die an die Opfer der Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts erinnern. Vor der Feierhalle des Friedhofs an der Spitzhausstraße steht ein vom Pieschener Bildhauer Louis Hartenstein geschaffenes und 1879 geweihtes Denkmal mit der Inschrift: ‚Dem ehrenvollen Andenken der in den Feldzügen 1866 und 1870/71 aus der Parochie Kaditz Gefallenen‘. Unweit des Haupteinganges fällt eine schlichte steinerne Stele auf. Mit ihr wird an vierzehn Opfer der anglo-amerikanischen Luftangriffe vom 13./14.Februar 1945 auf Dresden erinnert“, heißt es in dem Beitrag “Gedenkstätten auf Kaditzer Friedhöfen“ in der Januarausgabe 2018 der Pieschener Zeitung von Siegfried Reinhardt. Weiter schreibt er: „Außerdem befinden sich auf dem Friedhof elf einheitlich gestaltete Gräber, in denen Soldaten und Zivilisten beigesetzt wurden, allesamt Opfer der Luftangriffe 1944/45 auf Kaditz und Übigau. Nicht zuletzt sei darauf verwiesen, dass östlich der Trauerhalle neun sowjetische Kriegsgefangene beigesetzt waren. Von diesen Toten sind nur Name und Sterbetag bekannt. Vermutlich waren sie bis 1945 im nahe gelegenen Lager ‚Gleisbau Dresden-Kaditz, Kötzschenbroder Straße‘ zur Zwangsarbeit inhaftiert. Nach der im März 1949 erfolgten Umbettung auf den Nordfriedhof (Marienallee in Dresden) wurden ihre bisherigen Grabstellen in Kaditz eingeebnet.“

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
>> zum Archiv von Brendler’s Geschichten

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