Leisniger Platz 1910

Brendler‘s Geschichten: Der Leisniger Platz in Pieschen

Als der stadtnahe Arbeitervorort Pieschen am 1. Juli 1897 in die Haupt- und Residenzstadt Dresden eingemeindet wurde, musste etwa die Hälfte seiner Straßen wegen des Vorhandenseins gleichnamiger Straßen in anderen Teilen der Stadt umbenannt werden. Das betraf unter anderen auch die Ringstraße (heute Leisniger Straße), die Hafenstraße (heute Torgauer Straße) und den Moltkepatz (heute Leisniger Platz).

Leisniger Platz 2010

Der Leisniger Platz 2010. Foto: Brückner

Letzterer trug den Namen des preußischen Generalfeldmarschalls und Heerführers Helmuth (Karl Bernhard) Graf von Moltke (1800 – 1891). Ihm hatte die Stadt Dresden schon im Juli 1871 „in dankbarer Anerkennung der unvergänglichen Verdienste, welche sich derselbe durch die strategische Leitung des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich erworben hat“ (Namenbuch der Straßen und Plätze im 26er Ring, Dr. Karlheinz Kregelin, Herausgeber: Stadtmuseum Dresden, 1993) die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Die Namensweihe des Moltkeplatzes im Dresdner Vorort Pieschen fand am 26. Oktober 1880 statt und war verbunden mit dem Pflanzen einer „Moltke-Eiche“.

Graf von Moltke

Helmuth (Karl Bernhard) Graf von Moltke lebte von 1800 bis 1891. Quelle: Archiv Brendler

„Drei Revolutionen hat Helmuth Graf von Moltke aus nächster Nähe erlebt, vier Kriege hat er selbst geführt, fünf preußischen Königen gedient, zwei Kaiserreiche kommen und gehen sehen und eines mit errichten helfen. Seine Persönlichkeit ist für die kaiserliche Armee bis zu ihrem Ende 1918 das nachwirkende Vorbild für militärische Tüchtigkeit. Pflichterfüllung und persönliche Zurückhaltung gewesen“, heißt es in dem Werk „Große Männer der Weltgeschichte“, erschienen im Neuer Kaiser Verlag, Klagenfurt 1987.

Zu den vielen schriftlich überlieferten Grundhaltungen Moltkes gehören auch folgende: „Der ewige Friede ist ein Traum und zwar nicht einmal ein schöner Traum. Der Krieg ist ein Element der von Gott eingesetzten Ordnung.“ Und weiter: „Ohne den Krieg würde die Welt in Fäulnis geraten und sich im Materialismus verlieren.“

Im Zusammenhang mit der Eingemeindung Pieschens nach Dresden und einem schon vorhandenem Platz gleichen Namens in der Dresdner Seevorstadt wurde der Moltkeplatz im Jahre 1897 umbenannt. Da er von der Leisniger Straße tangiert wird, erhielt er den Namen Leisniger Platz. Seine Bebauung mit mehrstöckigen Mietswohnhäusern vollzog sich während der letzten zwei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts..

Leisniger Platz Bahn

Die nördliche Grenze wird durch die Bahngleise gebildet. Foto: K. Brendler

Die nördliche Begrenzung des Leisniger Platzes bildet die erste deutsche Ferneisenbahnstrecke, die am 7. April 1839 zwischen Leipzig und Dresden eröffnet und deren vier Gleise 1898/99 auf eine Brücke hochgelegt wurden.

Leisniger Platz muehle

Die Mühle stand bis 1882 in direkter Nähe zum Leisniger Platz. Quelle: Archiv Brendler

Eine 1867 vom Trachauer Windmüller Karl Friedrich Trentzsch (1822–1887) in direkter Nähe zum heutigen Leisniger Platz errichtete Holländer-Windmühle war bis 1877 in Betrieb und wurde fünf Jahre später abgebrochen.

Die 1892 nach Helmuth Graf von Moltke benannte Straße in Pieschen erhielt am 1. Juli 1946 den Namen des zunächst in der Torgauer Straße und dann am Leisniger Platz wohnenden antifaschistischen Widerstandskämpfers Robert Matzke (1884-1943).

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.
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