Little John Bikes Schmidt

Little John Bikes-Filialleiter Thomas Schmidt: Fahrradkauf braucht Beratung

Ohne den Test auf dem Popometer kann das neue Rad schnell zur Qual werden. Thomas Schmidt und sein Team im Fahrradgeschäft Little John Bikes in der Lommatzscher Straße lassen auch keinen Käufer ohne diese kleine Prozedur aufs Rad. Unter der Devise „Tausche Schmerz gegen Sattel“ wird der Abstand der Sitzknochen gemessen und danach der passende Sattel ausgesucht.

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Auf dem Popometer wird der Abstand der Sitzknochen ermittelt. Foto: W. Schenk

Bis es allerdings soweit ist, haben die Kunden viele andere wichtige Entscheidungen zu treffen. Gemeinsam mit einem der sieben Verkäufer können sie sich ihr Wunschrad digital zusammenstellen. Ist das geschafft, haben sie die Chance, mit einem der rund 500 ausgestellten Räder das Ganze in der Praxis zu überprüfen. Für kurze Strecken gibt es einen eigens eingerichteten Parcours am Shop, für längere Strecken kann man das Rad auch auf der Straße testen oder sogar einen Tag lang mitnehmen.

„Seit 2000 sind wir hier in dem ehemaligen Konsum“, erzählt Stefan Lozowik, Marketing-Mitarbeiter bei Little John Bike. Das Unternehmen hat deutschlandweit 25 Filialen, davon 23 im Osten zwischen Rostock und Freiberg und zwei im Westen in Duisburg. 2014 wurde die Zentrale von Neukirch nach Dresden verlegt. In der Lommatzscher Straße ist einer der vier Dresdner Shops. Auf dem 3.400 Quadratmeter großen Areal, das die Firma  2004 gekauft hat, wurde vor fünf Jahren in einen Anbau investiert. Mit 1.200 Quadratmetern Verkaufsfläche sei die Filiale jetzt eine der größten im Unternehmen. So könne man dem Anspruch, für jede Zielgruppe und jedes Alter das passende Rad zu präsentieren, auch gerecht werden, meint Lozowik und führt den Besucher in die Kinderabteilung, zeigt Citybikes, Crossräder, Mountainbikes, aber auch ausgefallenere Modelle wie die Fatbikes mit Reifen, die dick wie beim Moped sind. „Die sind gut auf Sand oder für Schnee, in unseren Breiten ist es eher der Spaß“, meint Lozowik. Der Spaß kostet allerdings auch.

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Dick wie beim Moped sind die Reifen der Fatbikes. Foto: W. Schenk

Gleich im Eingangsbereich finden die Kunden das E-Bike Competence Center mit einer großen Auswahl von Elektro-Fahrrädern. Das Image als Seniorenrad sei längst Geschichte. Bei vielen Radfahrern sei das E-Bike wichtig für den täglichen Weg zur Arbeit. Inzwischen mache hier ein neues Thema Furore: Das E-Bike als Dienstrad. Leasing-Modelle für Arbeitgeber und die 1-Prozent-Regel für Arbeitnehmer würden das Dienstrad zu einem lukrativen Angebot für beide Seiten machen, erläutert Lozowik. Auch das Fahrrad habe zunehmend Chancen, zum Statussymbol zu werden. Der Umsatz mit E-Bikes wachse pro Jahr um bis zu sieben Prozent.

Die ersten warmen Tage sind da und in der Werkstatt zieht sofort der Betrieb an. Ohnehin hat die Filiale seit 1. März wieder auf die längeren Sommeröffnungszeiten bis 20 Uhr umgestellt. Zweiradmechaniker Ronald Reiche macht gerade den Frühjahrscheck an einem E-Bike. Bremsen, die Einstellung der Seilzüge, die Elektronik und alle Schraubverbindungen gehören zum Programm. Auch der Akku wird ausgelesen, um zu sehen , wie oft er komplett geladen wurde. Das lasse Rückschlüsse auf die Lebensdauer zu. Für die schnelle Reparatur oder die Hilfe an Sonn- und Feiertagen gibt es am Eingang in den Fahrradshop eine Servicestation mit Werkzeugen und Luft. Auch ein Automat mit Fahrradschläuchen ist an der Straße aufgestellt.

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Zweiradmechaniker Ronald Reiche beim Frühjahrscheck an einem E-Bike. Foto: W. Schenk

„Ein Fahrradkauf ist sehr beratungsintensiv“, erläutert Shopleiter Schmidt. Seit einer Stunde beantwortet er Fragen eines Ehepaares, das sich neue E-Bikes zulegen möchte. Nach einem ersten Gespräch sind die beiden mit zwei verschiedenen Modellen längere Strecken gefahren. Danach ist die erste Entscheidung gefallen. Jetzt geht es zum schon erwähnten Popometer, dann werden noch einmal verschiedene Lenkerpositionen ausprobiert. In der Zubehörabteilung beantwortet Schmidt alle Fragen zu Helmen, Kleidung und Korb oder Satteltaschen. Er berät, hilft beim Abwägen, lässt das Paar auch mal für einen Meinungsaustausch unter vier Augen allein.

Einige Einzelhändler denken inzwischen darüber nach, Gebühren für die Produktberatung zu kassieren. „Das ist für uns derzeit kein Thema“, betont Lozowik. Viele Kunden kämen auf Empfehlung, nicht nur aus der Umgebung in Mickten, sondern auch aus der Neustadt, vom Wilden Mann oder aus Radebeul und Coswig. Zudem, so schätzt er, „profitieren wir auch von der Nähe zum Elbepark“. Einen Online-Shop bietet Little John  Bikes nicht an. Dafür aber einen besonderen Service für diejenigen, die sich lieber online ein Fahrrad kaufen. „Wir haben einen eigenen Aufbauservice“; erläutert Schmidt. Der Kunde könne beim Onlinekauf den Shop als Lieferadresse angeben. Dann werde gemeinsam ausgepackt und die Lieferung auf Vollständigkeit überprüft. Ein oder zwei Tage später kann der Kunde das vom Fachmann  zusammengebaute und eingestellt Rad abholen und noch manchen guten Ratschlag mitnehmen. „Der Laden steht und fällt mit dem Team“, betont Schmidt. Die 14 Verkäufer und Mechaniker würden derzeit auch drei Praktikanten betreuen, um ihnen bei der Berufsorientierung zu helfen.

Das Ehepaar ist mit seinem Fahrradkauf inzwischen auf der Ziellinie. Zwei E-Bikes samt einigem Zubehör verlassen zusammen mit einem zufriedenen Paar den Fahrradshop.

 

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