Stadtentwässerung Azubi Pardes Röstel

Junge Afghanen beginnen Ausbildung bei Stadtentwässerung und Verkehrsbetrieben

Die deutsche Sprache ist nicht das einzige Problem für Asylbewerber. Von dieser Erfahrung berichteten heute vier junge Leute aus Afghanistan. Sie sind zwischen 19 und 28 Jahre alt und haben sich auf eine Ausbildung bei der Stadtentwässerung Dresden und den Dresdner Verkehrsbetrieben vorbereitet. „Mathematik, Chemie, Physik und Biologie habe ich vor zehn Jahren in der Schule gelernt und vieles schon wieder vergessen“, sagt Latif Pardes.

DVB Ausbildungsvertrag

Unterschriftsreif: DVB-Vorstand Lars Seiffert hatte den Ausbildungsvertrag für Sayeed Sarwar Eqbali mitgebracht. Foto: W. Schenk

Das Wissen braucht er aber, wenn er im August seine Ausbildung als Fachkraft für Abwassertechnik beginnt. Gemeinsam mit Said Habib Hussani und Babrak Mehrabuddin hat er darum zusätzliche Kurse besucht, um die Defizite aufzuarbeiten. „Er war erstaunt, wieviel er noch lernen muss“, bestätigte Stefan Mertenskötter, der Latif Pardes schon länger kennt und ihm als Pate zur Seite steht. Mertenskötter ist Vorstand des Dresdner Umweltzentrums und hat vor zwei Jahren die ABC-Tische initiiert, an denen ehrenamtliche Helfer den Asylbewerbern erste Sprachbrocken beibringen und beim Eingewöhnen in Dresden helfen. „Vor allem bei den jungen Männern, die ohne Familien unterwegs sind, ist die Gefahr groß, dass sie sich verlieren“, meint Mertenskötter. In Afghanistan lebe und wohne niemand allein. Eine solche Lebensform würden die jungen Leute gar nicht kennen. Eine berufliche Perspektive sei darum enorm wichtig, fügt er hinzu. Das bestätigte Said Habib Hussani, der sich heute ohne Sprechzettel in der Hand vorstellte und sagte: „Allein das Gefühl, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, einen Beruf zu lernen, macht mich sehr stolz.“

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Stadtentwässerung Azubis

Said Habib Hussani, Latif Pardes, Babrak Mehrabuddin und Sayeed Sarwar Eqbali (v.l.n.r.) wurden heute zum Ausbildungsbeginn mit Zuckertüten begrüßt. Foto: W. Schenk

Das Problem des Zugangs zur beruflichen Bildung haben vor zwei Jahren auch die fünf städtischen Unternehmen Drewag, Stadtreinigung, Cultus GmbH, Stadtentwässerung und Verkehrsbetriebe erkannt. Sie schlossen sich mit den Beruflichen Schulzentren für Technik und Elektrotechnik zusammen, um 70 Asylsuchende im Alter zwischen 17 und 27 Jahren in zwei Vorbereitungsklassen zu begleiten. Neben dem Unterricht und der Arbeit in den Werkstätten und Laboren besuchten die jungen Leute bei Schnuppertagen die verschiedenen Unternehmen und absolvierten mehrwöchige Praktika in den Sommer- und Herbstferien. Mit der Initiative solle auch anderen Betrieben, vor allem in der freien Wirtschaft, Mut gemacht werden, um Ausbildungsangebote für Neuzugewanderte zu schaffen, sagte heute Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke).

Die drei Neu-Azubis in der Stadtentwässerung wurden von Geschäftsführerin Gunda Röstel mit kleinen Zuckertüten begrüßt, aber es gab auch Wathosen, Jacken und Helme. Der vierte im Bund, Sayeed Sarwar Eqbali, bekam von DVB-Vorstand Lars Seiffert ein komplettes Set mit Dienstkleidung. Der 19-Jährige absolviert jetzt bei den Verkehrsbetrieben ein berufsvorbereitendes Jahr. Wenn er die Sprache und seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse erfolgreich ausbaut, werde sich eine Ausbildung als Fachkraft für Metalltechnik anschließen. Seiffert verwies darauf, dass die DVB auch ihr Auswahlverfahren für die Bewerber auf den Prüfstand stellen wird. „Manche unserer Fragen sind einfach typisch deutsch“, sagte er und nannte ein Beispiel. So würden die Bewerber zum Beispiel aufgefordert, alles aufzulisten, was man für die Organisation eines Sportfestes benötige. Aber, so Seiffert, die jungen Afghanen haben noch nie ein Sportfest, wie wir es kennen, erlebt. Eine solche Aufgabe könnten sie gar nicht bewältigen.

Stadtentwässerung Azubi Pardes

Mit selbstgebackenen Sambosa lud Latif Pardes zur Zwischenmahlzeit auf afghanisch ein. Foto: W. Schenk

Röstel sprach sich heute nachdrücklich für eine Fortsetzung der Vorbereitungsklassen für Asylbewerber zwischen 18 und 30 Jahren aus. Die derzeit geltende Altersgrenze von 18 Jahren mache keinen Sinn. Außerdem sei es für die Betriebe enorm wichtig, mit einem einzigen Ansprechpartner kooperieren zu können. Das habe mit den Ausbildungsleitern der beiden Klassen in den Berufsschulzentren hervorragend funktioniert.

Bevor Latif Pardes heute morgen in die Stadtentwässerung fuhr, hatte er noch eine wichtige Arbeit zu erledigen. In der Küche von Familie Mertenskötter bereitete er für alle Gäste des heutigen Termins eine Schüssel voll Sambosa vor. Das sind dreieckige Blätterteigtaschen, die mit einem Gemisch aus Spinat und Kartoffeln gefüllt sind. Gut verpackt, waren sie nach dem offiziellen Teil noch warm und schnell aufgegessen.

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