Zentralwerk 0505

Es ist geschafft: Zentralwerk feiert Eröffnung

Peggy Berger hat ihr Atelier seit Ende März im Zentralwerk. Viele Fenster sorgen für Licht. An der hohen Stirnwand des großen Raumes hängen ihre Bilder. „Wir teilen uns die Nutzung des Raumes. Ein Erfinder, ein Upcycling-Künstler und eine Fotografin gehören noch dazu“, sagt die Malerin. Es sei Zufall gewesen, dass sie die Anzeige gefunden hatte, in der Atelier-Mitnutzer gesucht wurden. Noch ist sie kaum zum Malen gekommen. Außer einer zentralen Stromversorgung war nichts in dem Raum.

Peggy Berger

Malerin Peggy Berger: Das Zentralwerk ist ein echter Zugewinn für Pieschen. Foto: W. Schenk

Da gab es einiges zu Werkeln, dann der Umzug und das Einräumen – das hat einige Zeit in Anspruch genommen. Aber sie ist begeistert von der geballten Kreativität in ihrer neuen künstlerischen Heimat. In den 66 Ateliers und Gewerberäumen, die in den beiden Türmen und dem Mitteltrakt angeordnet sind, arbeiten knapp einhundert Künstler, Wissenschaftler, Texter, Radiomacher und Handwerker. „Mit dem Zentralwerk hat der Stadtteil Pieschen einen echten Zugewinn“, ist Peggy Berger überzeugt.

Auf der gleichen Etage haben auch die Radiomacher von Coloradio seit Dezember 2016 ihr neues Domizil. Auch Fotograf Felix R. Krull arbeitet hier. Er hat sich in sein Studio flexible Zwischenwände eingebaut und unterrichtet Fotografie in seiner eigenen Fotoakademie oder extern an künstlerischen Hochschulen. „Ich bin hier einfach glücklich“, sagt er.

Coloradio

Bert G.,, so der Künstlername, von Coloradio, bereitet das Frühstücksradio mit Spaß für den Sonntag vor. Foto: W. Schenk

Tänzerin Anna Till ist vor einem Jahr in den Turm C eingezogen. Hier teilt sie sich ihr Büro mit fünf weiteren Nutzerinnen. “ Zum Proben gehen wir ins Theater. Aber den Raum zum Nachdenken, Aufschreiben, Lesen und Reden habe ich hier“, sagt sie. Für die Schreibtische ist nicht viel Platz, am Beratungstisch ist es geräumiger. Im Hintergrund läuft ein Video mit einer ihrer Choreografien. Schließlich sollen die Besucher, die heute und morgen durch die Ateliers schlendern können, sehen, womit sich die Künstler beschäftigen.

Der Ansturm der Neugierigen zur Besichtigung des weitgehend sanierten Industriestandortes hielt sich heute noch in Grenzen. Zur offiziellen Eröffung um 11 Uhr waren vor allem die 40 Genossenschaftler des Zentralwerkes und die Vereinsmitglieder anwesend. Unter den Gästen fanden sich auch Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) und Linke-Bundeschefin Katja Kipping.

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Katja Kipping (Linke) im Gespräch mit den Zentralwerkerinnen Elisabeth Wulff-Werthner und Barbara Lubich (m.) Foto: W. Schenk

Einige Besucher nutzten die Chance und warfen einen Blick in eine der 22 Wohnungen. Malerin Britta Schopf hat sich ihren 7,50 Meter hohen Wohnraum im Obergeschoss in drei offene Ebenen eingeteilt. Türen gibt es nur vor Toilette und Bad. Eine Fußbodenheizung sorgt für angenehme Temperaturen. Architekt Christian Ecklebe, der auf der gleichen Etage wohnt, bestätigt das. Er sei im Dezember 2016 eingezogen und „im Winter trotz tiefer Temperaturen nicht erfroren“. Ecklebe gehört zu den Schokostudio Architekten, deren Büro die Zentralwerk-Sanierung geplant und geleitet hat.

Egal, auf wen man heute trifft, alle können Geschichten über den schweren Anfang, Zeiten der Verzweiflung und die viele, oft ungewohnte harte körperliche Arbeit berichten. Die Gebäude mussten komplett entkernt werden. Wer ein Atelier oder eine Wohnung einrichtet, findet jetzt große leere Räume vor, in denen es eine Fußbodenheizung, eine zentralen Stromanschluss, Wasser und Abwasser gibt. Der Rest ist Eigenleistung. „Ich habe das mal überschlagen“, meint Ecklebe. Ohne die Eigenleistungen wäre die Miete doppelt so hoch. Jetzt liegt sie bei 4,50 Euro pro Quadratmeter. Und das dauerhaft.

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„Der Boden ist ein Gemeingut“ – die Tafel von der Stiftung Trias bringt Gerd Hänsel an. Foto: W. Schenk

Genau das, so erinnerte Nikola Basler von der Stiftung Trias, sei der Anspruch gewesen. Das große Areal dauerhaft den Gesetzen des Immobilienmarktes zu entziehen und Freiraum für die Kreativen zu schaffen – zum  Arbeiten und zum Wohnen zu günstigen Konditionen. „Ein gutes Stück Stadt wurde wieder in Ordnung gebracht“, sagte sie, bevor nach einem Richtspruch eine Tafel mit der Inschrift „Boden ist ein Gemeingut“ neben dem Eingang angebracht wurde. Natürlich von einem Genossenschaftler – Kulissenbauer Gerd Hänsel. Den Richtspruch trug Sascha Wolff vor, Zimmermann, Architekt und ebenfalls Zentralwerk-Genossenschaftler.

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Der Ballsaal im Gemeinschaftshaus ist für die Zentralwerker das Herzstück – als Ort fgür die Nachbarschaftr und die Kulturproduktion. Foto. W. Schenk

Das nächste große Vorhaben der Zentralwerker ist die Sanierung des Gemeinschaftshauses mit Festsaal, sieben Ateliers, dem Kabinett und der künftigen Kneipe. Allein für den Saal würden etwa 500.000 Euro benötigt, um den Sanitärbereich zu erneuern, die Brandschutzauflagen zu erfüllen und weitere Sanierungsarbeiten durchführen zu können, schätzt Architekt Thure Wulff. Dafür würden nun Unterstützer, Sponsoren und Kulturpaten gesucht. Das Dach sei dicht und das Fass nicht ohne Boden, zeigte sich Wulff zuversichtlich, dass die Räume Schritt für Schritt an neue Nutzer übergeben werden könnten.

 

 

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