güntz altenheim

Brendler’s Geschichten: Das Krankenhaus in der Jungen Heide

Der „Dresdner Nordwestbote“ war das monatlich erscheinende Vereinsblatt des 1903 gegründeten „Bezirksvereins der Dresdner Nordwestvorstädte Kaditz, Mickten, Trachau und Übigau“. Er finanzierte sich durch Anzeigen ansässiger Geschäftsleute. Im Dezember 1906 erschien die erste und im Februar 1913 die letzte der insgesamt 73 Ausgaben.

Das Vereinsblatt erschien in 73 Ausgaben. Quelle: Archiv Brendler

Mit einer Rede des Dresdner Oberbürgermeister Gustav Otto Beutler, die er am 4. Januar 1912 anlässlich der Einweisung neuer Stadtverordneter gehalten hatte und in der er die Notwendigkeit eines weiteren Krankenhauses begründete, beschäftigte sich der „Dresdner Nordwestbote“ in seiner Ausgabe vom Februar 1912.

Oberbürgermeister Beutler, 1895 gewählt, zwei Jahre später auf Lebenszeit bestätigt und 1915 aus dem Amt geschieden, hatte unter anderem ausgeführt: „Die ungemein gesteigerte Frequenz der beiden städtischen Krankenhäuser macht nicht nur das 1911 gebilligte Programm der Ergänzungsbauten im Johannstädter Krankenhaus sowie einen baldigen Umbau des Friedrichstädter Krankenhauses zur unbedingten Notwendigkeit, sondern stellt uns auch vor die schwere und kostspielige Aufgabe des Baus eines dritten, auf dem rechten Elbufer, also in der Dresdner Neustadt, zu errichtenden Krankenhauses.“ Und weiter: „Es soll als Krankenhaus für die Neustadt und Altstadt eingerichtet und mit einem Kinderkrankenhaus und Säuglingsheim verbunden werden. Auch soll in der Nähe ein Kindererholungsheim gebaut werden.“

Beutler Otto

Dresdens Oberbürgermeister Gustav Otto Beutler (1853-1926). Quelle: Archiv K. Brendler

Was den Standort der geplanten Einrichtungen betraf, so handelte es sich um den Wald, der zwischen der Dahlener Straße (von 1897-1912 Name eines Teils des Wilder-Mann-Berges) und ihrer Fortsetzung nach der Baumwiese und dem Heller gelegen ist. Das war zur damaligen Zeit eine der schönsten und von der Bevölkerung am meisten aufgesuchten Gegend in der Jungen Heide. (Abb.Nr.03)

Der „Dresdner Nordwestbote“ schrieb zum beabsichtigten Standort: „Ein Teil davon ist von der Stadt seit drei Jahren als Waldpark gepachtet, aber nicht als solcher behandelt worden, wenn man Vergleiche mit dem Albertpark, dem Volkspark Räcknitz und dem neuen Park an der Leutewitzer Grenze anstellen will. Ob das Krankenhaus für die damit unmittelbar bedachte Gegend ein Vorteil sein wird, läßt sich gegenwärtig nicht sagen.“

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Die Junge Heide östlich der Moritzburger Landstraße. Foto: K. Brendler

Heute wissen wir: Ein Krankenhaus in der Jungen Heide wurde nie gebaut. Der Erste Weltkrieg und die schweren Jahre danach verhinderten die Umsetzung des Vorhabens, sofern es überhaupt ernsthaft in Betracht gezogen worden war. Ein städtisches Krankenhaus am rechten Elbufer „entstand“ erst nach dem Zweiten Weltkrieg und zwar in der ehemaligen 26. Volksschule in Pieschen bzw. des im Herbst 1945 als Infektions-und Seuchenkrankenhaus eingerichteten ehemaligen Güntz-Altenheimes an der Trachauer Industriestraße.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.

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