Hirschdenkmal

Brendler’s Geschichten: Das „Hirschdenkmal“ erinnert an einen königlich-sächsischen Artilleriehauptmann

Dieser nur noch schwer als Denkmal auszumachende Granitblock steht seit nunmehr vierzig Jahren in direkter Nähe zur Aral-Tankstelle an der Radeburger Straße in Trachenberge. Dass es der ruinöse Rest des umgangssprachlich genannten „Hirschdenkmals“ ist, wüsste wohl keiner, wäre nicht eine Schrifttafel an der daneben stehenden letzten Schwarzkiefer des Hellers angebracht.

Tafel 2012

Die Tafel am Baum erzählt vom sächsischen Artillerieoffizier Hirsch. Foto: K. Brendler

Der heutige Standort ist aber nicht identisch mit seinem ursprünglichen. Das einst von einem einfachen Zaun umfasste Denkmal, bestehend aus Sockel und Gedenkstein nebst Helm, stand auf dem östlich von der Radeburger Straße gelegenem Heller.

Hirschdenkmal original vor 1945

Gedenkstein mit Helm des „Hirschdenkmals“ vor 1945. Foto: Archiv K. Brendler

Dort war am 7. Oktober 1822 Johann Baptista Joseph Hirsch, königlich- sächsischer Hauptmann des Artillerie-Corps, zuletzt Kommandeur der 1. Reitenden Batterie, im Alter von fünfundvierzig Jahren von einem scheuenden Pferd gestürzt und zu Tode gekommen. Er wurde am 10. Oktober auf dem Inneren Neustädter Friedhof begraben. Ein Jahr später setzten ihm seine Kameraden das Denkmal. Die Inschrift, heute kaum bzw. nicht mehr lesbar, lautet:

„DEM KOENIGL. -SAECHS. HAUPTMANN DES ARTILLERIE CORPS UND RITTER DES SANCT HEINRICHS ORDENS J.B.J.HIRSCH VON SEINEN TRAUERNDEN WAFFENBRUEDERN D. 7. OCTOBER 1822

Schöpfer des Denkmals ist mit Franz Seraphim Pettrich einer der bedeutendsten klassizistischen Bildhauer Deutschlands. Als Sohn eines Tischlers am 20. August 1770 in Trebnitz (Trebenice /b. Lovosice, CZ) geboren, war er im Anschluss an seine Lehre als Steinmetz nach Dresden in die Werkstatt des Bildhauers Johann Baptist Dorsch (1744-1789) gekommen, wurde 1795 Hofbildhauer und nach einem kurzen Aufenthalt in Italien zunächst Mitglied und ab 1815 Professor an der Kunstakademie in Dresden.

Franz Pettrich

Franz Seraphim Pettrich (Foto Archiv K. Brendler)

Am 23.Januar 1844 starb Franz Seraphim Pettrich. Auf dem 1724 in Gebrauch genommenen Inneren (Alten) Katholischen Friedhof wurde er bestattet. Es ist durchaus möglich, dass ihm als Vorbild für das Denkmal das „Moreau-Denkmal“ (General Jean Victor Moreau /1761-1813) auf der Dresdner Räcknitzhöhe gedient hatte. Es war 1814 nach dem Entwurf Gottlob Friedrich Thormeyers (1775-1842) durch den Pettrich-Schüler, den Bildhauer Christian Gottlob Kühn (1780-1828), in klassizistischer Form gestaltet worden.

Als Mitte der 1970er Jahre die Radeburger Straße als Autobahnzubringer vierspurig ausgebaut wurde, war es der Initiative des ehrenamtlichen Denkmalpflegers Johannes Ziller (1909-1982), ehemals wohnhaft auf der Hellerhofstraße, zu verdanken, dass der Gedenkstein des „Hirschdenkmals“ in einem schon recht ramponierten  Zustand geborgen und an den heutigen Standort verbracht wurde.

Ziller mit Hut 1977

Johannes Ziller (mit Hut) im Kreise seiner Helfer (Frühjahr 1977). Foto: Archiv Ursula Zöllner

Da der antike Helm nicht mehr auffindbar war, gab 1976 die Dreikönigskirchgemeinde einen ähnlichen vom aufgekündigten Grabmal des Oberleutnants im königlich- sächsischen Generalstab Horst Robert Steiger (1830-1863) kostenlos ab. In den 1990er Jahren wurde eben dieser Helm samt Steinplatte vom Gedenkstein  „zu Boden gestoßen“, von Tankstellen-Mitarbeitern sichergestellt und dem Denkmalschutzamt übergeben. Seitdem wird er im Lapidarium der Stadt Dresden aufbewahrt.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.

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