böcklinstraße Endhaltestelle um 1925

Brendler’s Geschichten: Als in der Böcklinstraße noch eine Straßenbahnendhaltestelle war

Seit der Eingemeindung von Mickten, Übigau und Kaditz am 31. Dezember 1902 wurde von den nun neuen Dresdner Vorstädten eine Straßenbahnverbindung in das Stadtinnere gefordert. Für Kaditz „ging ein ganzes Jahrhundert ins Land“, bis am 27. November 2004 diese Forderung durch eine Straßenbahnlinie vom und zum Riegelplatz Wirklichkeit wurde. Die Vorstadt Übigau und der alte Dorfkern von Mickten konnten sich dagegen schon 1913 über einen Anschluss an das Dresdner Verkehrsnetz freuen.

Sternstraßenbrücke Aufnahme 1962

Die alte Sternstraßenbrücke in einer Aufnahme aus dem Jahr 1962. Quelle: Archiv Brendler

Am 21. Oktober 1913 wurde die Linie 10, die bis 1909 die Strecke „Neustädter Bahnhöfe-Marienstraße“ befuhr, zwischen dem Straßenbahnhof Mickten und Übigau eingesetzt. Über die Sternstraße und Trachauer Straße fahrend, bog sie an der ehemaligen Waffelfabrik Hörmann in die heutige Böcklinstraße ein und brachte die Fahrgäste zur Endhaltestelle an der ersten Micktener Schule.


Anmerkung:
Die 1904 nach dem Schweizer Maler, Zeichner, Graphiker und Bildhauer Arnold Böcklin (1827-1901) benannte Straße war einst Teil des alten Bischofsweges von Meißen nach Stolpen und trug bis 1903 den Namen Hohe Straße.

Eingeweiht am 10. November 1874, war sie von 1900 bis 1902 Sitz das Gemeindeamtes Mickten und ist seitdem ein Wohnhaus. Von hier sind es wenige Meter bis Altmickten, nur ein kleines Stück weiter bis Übigau.

böcklinstraße Anzeige Hörmann um 1915

Anzeige der Waffelfabrik Hörmann aus dem Jahr 1915. Quelle: Archiv Brendler

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieg wurde die Linie 10 mehrere Male verlängert, zum Teil verändert und befuhr bis zum 15. August 1928 die Strecke Übigau-Mickten-Postplatz-Hauptbahnhof-Lennéstraße-Altenberger Straße und zurück.

Im Zusammenhang mit dem Bau der Kaditzer Flutrinne, die in den Jahren 1918-1921 auf 40 Meter Breite angelegt und 1925-1927 auf 119 Meter Sohlenbreite verbreitert wurde, entstand in Verlängerung der Sternstraße die 132 Meter lange und völlig in Stahlbeton errichtete Flutrinnenbrücke, von Anwohnern auch die „Sternstraßenbrücke“ genannt.

böcklinstraße neue Sternstraßenbrücke 2011

Die neue Sternstraßenbrücke im Jahr 2011. Foto: K. Brendler

Sie diente sowohl dem Fußgänger- und Kraftfahrzeug- als auch dem Straßenbahnverkehr. So konnte ab dem 16. August 1928 die Straßenbahnlinie 10, von der Altenberger Straße kommend, die neue Brücke nach Übigau befahren. Und das tat sie, wenn auch mit wechselnden Linienbezeichnungen, nahezu 75 Jahre lang.

Im September 2003 wurde die durch das „Jahrhunderthochwasser“ 2002 geschädigte „Sternstraßenbrücke“ abgerissen. Auf der im Jahr darauf an gleicher Stelle übergebenen neuen Brücke verkehrt zwischen Mickten und Übigau statt der Straßenbahn nun ein Bus.

Brendler’s Geschichten ist eine Serie, in der Klaus Brendler für das Onlinejournal Pieschen Aktuell in loser Folge an Orte, Ereignisse und Personen im Ortsamtsbereich Pieschen erinnert. Der Stadtteilhistoriker und Autor ist Vorsitzender des Vereins „Dresdner Geschichtsmarkt“ und Leiter der „Geschichtswerkstatt Dresden-Nordwest“. Er lebt in Dresden-Trachau.

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