Ein Pieschener Urgestein

Die Oschatzer Straße war einst die Einkaufsstraße von Pieschen. Doch mit den Jahren wurde es leerer und ruhiger auf dem Pflaster. Viele Geschäfte kamen. Viele gingen wieder. Doch den Werkzeugladen von damals gibt es immer noch. 1945 von Friedrich Köpping eröffnet, gehört er zu den Urgesteinen der Oschatzer. Seit 2007 ist Lolita Kliemann Chefin in dem Geschäft, das sich gleich am Anfang der Oschatzer Straße befindet, wenn man von der Leipziger Straße abbiegt.

Als studierte Maschinenbauerin und Ingenieurin ist Kliemann Profi, wenn es um’s Schrauben und Dübeln geht. Bis heute schmeißt sie ihren Laden alleine. Dass sie das (als Frau) hin bekommt, haben ihr anfangs nicht alle zugetraut. „Ich musste viel Kritik einstecken“, erzählt sie. „Doch mit der Zeit haben die Leute gemerkt, dass ich Ahnung habe vom Metier.“ Und so versucht sie, jedem Kundenwunsch nachzukommen. Das sei es, was ihren Werkzeugladen von den großen Discountern unterscheidet. Anstatt sich – wie im Baumarkt  – nach einer Schraube dumm und dämlich zu suchen, kann man bei der Ingenieurin auf prompte Beratung zählen.

Damals noch in den Händen von Friedrich Köpping: Der Werkzeugladen hat viele Jahre und Besitzerwechsel hinter sich. (Foto: werkzeuge-kliemann.de)

Damals noch in den Händen von Friedrich Köpping: Seit 1945 gehört der Werkzeugladen zur Oschatzer. (Foto: werkzeuge-kliemann.de)

Trotzdem sind die Kunden mit der Zeit weniger geworden. Aufgeben, wie die anderen Ladenbesitzer, will Kliemann jedoch nicht. „Ich werde so lange bleiben, wie es nur geht.“ Den Großteil ihres Geschäfts machen Stammkunden aus, die seit Jahren zu Kliemann kommen. Ab und an schauen aber auch neu Hinzugezogene vorbei. Da muss sie nicht selten schmunzeln. „Die jungen Leute können heute alles googeln. Das kriegen sie hin. Aber wenn es dann an die Umsetzung geht, hapert es meist“, erzählt Kliemann. Dann hilft sie ihnen, wenn es darum geht, die erste eigene Wohnung oder das neue WG-Zimmer einzurichten.

Nicht nur in ihrem Laden nimmt Lolita Kliemann die Dinge gern selbst in die Hand. Auch beim alljährlichen Stadtteilfest Sankt Pieschen gehört sie zu den Machern. Seit 2012 ist sie nun Vereinsmitglied von Sankt Pieschen und stellt das Stadtteilfest mit auf die Beine. Unterstützt wird sie dabei von Andreas Koenitz, der keine zwei Straßen weiter seinen Auto- und Reifenservice führt. Im November gehen die Vorbereitungen wieder los. Dann ruft Kliemann die ersten Händler an, die beim Stadtteilfest dabei sein sollen. Doch bis dahin kümmert sie sich. wie gehabt. um ihren Laden und ihre Kunden.

 

 

Eine Meinung zu “Ein Pieschener Urgestein

  1. Wollen wir hoffen, dass uns Frau Kliemann und ihr Laden noch lange erhalten bleiben. Sonst fällt Pieschen am Ende noch auseinander, wenn es keine passenden Schrauben mehr gibt.

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