Die Blumenmädchen Silke Hoffmann und Bettina Trache

Tiefe Wurzeln, neue Blüten – Blumen Trache

Während sich der Himmel über Pieschen in feinster Herbstmanier asphaltgrau dekoriert hat, blüht vor dem Floristikgeschäft Trache tapfer ein Teppich aus Erika. Daneben reckt der Zierkohl seine Köpfchen. Drinnen lässt dem Geruch nach der Frühling sein blaues Band flattern. Einen Wechsel erfuhr das Traditionsgeschäft heuer nicht nur in Bezug auf die Jahreszeiten.

Blumen Wiedow auf der Leipziger 154

Blumen Wiedow auf der Leipziger Straße 154

Vielen Stammkunden ist die neue Inhaberin des Ladens, Silke Hoffmann, schon bekannt. Das Ehepaar Trache bot der langjährigen Mitarbeiterin den Posten an – ein Erbe, das gleichzeitig Ehrung und Herausforderung ist.  „Unser Geschäft ist dank Fleurop deutschlandweit bekannt“, sagt Bettina Trache, geborene Wiedow. Chef und Chefin arbeiten noch mit, ziehen sich aber langsam zurück. „Endlich mal nicht mehr sechs Tage die Woche im Laden stehen“, sagt Bettina Trache. Sie arbeitet seit 30 Jahren im Geschäft mit. Ein wenig Wehmut spiegeln ihre Züge dennoch wider.

Ihr Großvater Erwin Wiedow gründete das Geschäft 1911 auf der Prager Straße. Seine Frau war ausgebildete Kunstmalerin und gestaltete die Werbeplakate. Nackte Putten mit Kaktusstacheln im Po als frecher Blickfang, trauernde Frauen im Umhang für die weniger erfreulichen Anlässe. Das Geschäft befand sich im ehemaligen Newa, dem heutigen Hotel Pullman. Dann kam der Krieg.

Erwin Wiedow malte ein Bild seines kleinen Geschäfts unter dem Kugelhaus am Straßburger Platz

Erwin Wiedow malte ein Bild seines kleinen Geschäfts unter dem Kugelhaus am Straßburger Platz

„Im Feuer sind alle unsere Unterlagen verbrannt“, erzählt Bettina Trache. Alles, was von der Firmengeschichte übrig ist, passt in einen großen Bilderrahmen. Erwin Wiedow zog 1955 nach Pieschen um, erst einmal in die Leipziger Straße 154. Dort baute er an. Ungünstig war, dass  eine Grundstücksgrenze mitten durch die neue Ladenfläche verlief. Eine Brandschutzwand wurde quer hindurch gezogen und Blumen Wiedow wanderte 1991 ein Stück weiter an seinen jetzigen Standort, der damals noch eine Ruine war.

Blumen Wiedow wurde vom Großvater an den Vater und von ihm an die Tante weitergegeben, bevor Bettina Trache es 1987 gemeinsam mit ihrem Mann übernahm. „Wir waren beide Quereinsteiger“, erinnert sie sich. Die Gärtnerei Wiedow in Coswig, gegründet 1918, übernahm Bettina Traches Bruder. Mit seinem überraschenden Tod war das Ende des Firmensitzes in Coswig so gut wie besiegelt.

Nun kündet nur noch Blumen Trache von der bewegten Geschichte Wiedow. Silke Hoffmann lenkt die Geschicke weiter. Sie machte schon ihre Ausbildung bei Trache. „Aber dann ging ich fremd“, sagt sie augenzwinkernd. Als die große Baustelle an der Kreuzung kam, suchte sie ihr privates und berufliches Glück in Großenhain. Die Liebe blieb auf dem Land, Silke Hoffmann kam zurück, fand eine neue Liebe und ihren alten Job. Als neue Inhaberin will sie an den bewährten Strukturen festhalten. Was sie sich für die Zukunft wünscht? „Dass die Leute viele bunte Sträuße bei uns kaufen.“ Das sollte doch machbar sein.

Die Fassade leuchtet in frischem Grün. Die Neugestaltung der Ruine war ein hartes Stück Arbeit

Die Fassade leuchtet in frischem Grün. Die Neugestaltung der Ruine war ein hartes Stück Arbeit

Blumen Trache, Floristikfachgeschäft
Montag bis Freitag von 8 bis 18.30 Uhr, Sonnabend 8 bis 16.30 Uhr
Telefon: 0351 8489400
Link zur Website www.blumen-trache.de

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