Thema: Globus

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Alternativer Standort soll Konflikt um Globus-Ansiedlung in Dresden lösen

Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit will den Konflikt um die Globus-Ansiedlung in Dresden mit einem alternativen Standort-Vorschlag lösen. Derzeit werde dazu ein gemeinsamer Antrag vorbereitet, bestätigte Grünen-Fraktionschef Thomas Löser, der die Federführung bei der Antragsformulierung übernommen hat. Vorausgegangen waren zwei Treffen mit Globus-Managern.

Treffen von Stadträten und Globus-Managern

Schon im März hatte Thomas Bruch, Geschäftsführender Gesellschafter von Globus, die Vertreter aller Fraktionen eingeladen. Es sei ein intensiver Meinungsaustausch gewesen, beschreibt Enrico Wilde, Bereichsleiter Standortplanung Globus, den Tenor des Treffens. „Wir haben von allen Seiten für unser Unternehmen und sein geplantes Engagement in Dresden hohen Respekt erfahren. Es bestand geradezu Einstimmigkeit darüber, dass Globus einen Platz in der Dresdner Handelslandschaft verdient“, so Wilde. Man habe weitere Gesprächsbereitschaft signalisiert. „Dies beinhaltet auch die Prüfung adäquater Alternativstandorte“, betonte Wilde.

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Globus-Pläne: Großer SB-Markt, offene Bahnbögen und sanierte Denkmäler am Leipziger Bahnhof. Quelle: dresden.de

Vor wenigen Wochen hatte es ein weiteres Treffen von Globus und Vertretern der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit gegeben. Dort habe man sich über die Standortsuche ausgetauscht, bestätigte Hendrik Stalmann-Fischer, baupolitischer Sprecher der SPD-Stadtratsfraktion. Während Grüne und SPD intern eine schnelle Aufhebung Aufstellungsbeschlusses zur Globus-Ansiedlung am Alten Leipziger Bahnhof favorisieren, will die Linke-Fraktion erst Sicherheiten schaffen.

Linke fordert Sicherheit für Investor

 

„Wir brauchen einen fairen Umgang mit dem Investor Globus“, betonte Linken-Stadtrat Tilo Kießling. „Wenn wir eine andere Fläche als Alternative zu dem Areal in der Leipziger Vorstadt anbieten, muss Globus die Sicherheit haben, dass dort auch gebaut werden kann“, machte er seine Sicht klar.

Dabei gehe es nicht nur um den Standort, sondern auch um die Bewertung der Versorgung der Stadt mit Einzelhandelsflächen. Er habe da eine etwas andere Sicht, meinte er. „Der Wettbewerb findet zwischen den Gleichartigen statt, also zwischen den großen Einkaufsmärkten wie Edeka oder Kaufland. Die würden einen Konkurrenten wie Globus nicht freudig begrüßen“, sagte er.  Dresden sei ein wachsende Stadt und würde nun schon 15 Jahre lang mit der von Experten diagnostizierten Übersättigung mit Einzelhandelsflächen leben. „Eine Aufhebung des Globus-Beschlusses ist nur als gemeinsame Lösung mit dem Investor möglich“, bekräftigte Kießling.

Allianz für Dresden drängt auf Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses

Die Allianz für Dresden, die sich als Globus-Ansiedlungsgegner formiert hatte, sieht das ganz anders und forderte jetzt erneut eine zügige Aufhebung des Aufstellungsbeschlusses für den Globus-SB-Markt. „Es ist an der Zeit, das verfehlte Großvorhaben am Alten Leipziger Bahnhof per Aufhebungsbeschluss zu beerdigen“,  erklärte Uwe Sochor, Mitglied der Allianz für Dresden. Sochor ist selbst Einzelhändler und betreibt in Pieschen den Frankreichladen. Er kritisierte, dass sich die Stadt jetzt an der Standortsuche beteiligen soll. Das mindeste, so seine Forderung, sei eine klare Obergrenze für die Verkaufsfläche. Die geplanten 8.800 Quadratmeter seien „an keiner Stelle in der Stadt stadtplanerisch, verkehrlich und im Hinblick auf kleine Einzelhändler verträglich“, betonte er. Das Zögern von Linke, Grünen und SPD in dieser Frage sei nicht nachvollziehbar.

Globus plant derzeit kein Ausrollen des Kleinflächenkonzeptes

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Globus-Standortentwickler Enrico Wilde. Foto: W, Schenk

Die von der Allianz bereits mehrfach ins Spiel gebrachte Globus-Lösung mit kleiner Einkaufsfläche hatte die Holding bereits zurückgewiesen. Das Kleinflächenkonzept  „fridel markt&restaurant“ brauche das nahe gelegene SB-Warenhaus im Hintergrund, weil es von dort alle Frischwaren beziehe. Anders könne es gar nicht funktionieren, hatte Standortentwickler Wilde erklärt. Das gelte auch für das innovative Konzept der Drive Abholstation, bei der zuvor online abgegebene Bestellungen abgeholt werden können. „Wir sammeln derzeit mit unserem Pilotmarkt in Saarbrücken viele wertvolle Erfahrungen. Eine Ausrollung ist noch nicht geplant“, dämpfte er anderweitige Hoffnungen.

Bei der Standortsuche setze Globus auch auf die Unterstützung der Wirtschaftsförderung der Stadt. „Selbstverständlich werden wir, sobald ein adäquates Grundstück benannt wird,  umgehend mit der Untersuchung beginnen und das Gelände anhand unserer Kriterien für einen Globus-Standort prüfen. Erst dann stellt sich für uns auch die Frage nach der Beauftragung von Gutachten etwa zur Einzelhandelsverträglichkeit“, sagte Wilde im Gespräch und machte auch klar: „Bis auf weiteres vertreten wir offen unser Vorhaben, als Unternehmen umfangreich in den Leipziger Bahnhof zu investieren“.

 

3 Meinungen zu “Alternativer Standort soll Konflikt um Globus-Ansiedlung in Dresden lösen

  1. „Hier dürft ihr nicht hin, sucht was anderes!“ klingt für mich total nach einem tollem Kompromiss und einer endgültigen „Lösung“.

    Ich versteh‘ ehrlich gesagt das meiste an Aufregung um das Projekt nicht (und da ich Ecke Großenhainer/Hansa/Lösnitzstraße wohne, zähle ich mich mal als schon relativ direkt betroffenen)

    Also klar, Verkehrsauslastung sehe ich ein.
    Auch dass die Einzelhändler das nicht mögen, sehe ich ein.

    Was ich nicht einsehe ist z.B. warum mich die Interessen der Einzelhändler irgendwie berühren sollten. Das nennt man halt Marktwirtschaft und Konkurrenz.

    Und nicht zu letzt: nichts davon ist neu. Die Diskussion dreht sich seit Jahren im Kreis und nichts hat sich irgendwie vorwärts bewegt.

    Für mich persönlich wäre selbst die schlechteste Realisierung eines weiteren Einkaufszentrums auf dieser Fläche immer noch besser als die Brachfläche einfach weiter so zu belassen wie sie ist.

    • Klar ist im Elbepark noch Platz, aber einerseits befinden sich da bereits größere Einkaufszentren, die wohl eher in direkter Konkurrenz zu Globus stehen als es dies der Tante Emma-Laden um die Ecke tun würde (z.B. Kaufland, welches auch deutlich besser an die restlichen Geschäfte des Elbeparks angebunden ist als es Globus je werden würde)…

      …und andernseits will man heute vlt. nicht mehr unbedingt das Konzept „großes Einkaufszentrum vor der Stadt auf der grünen Wiese“, welches sich in den 90ern bereits als dumme Idee herausgestellt hat, unmodifiziert weiterführen.

      Platz und Verkehrsanbindung sind halt nicht das einzige Kriterium und vlt. will Globus sogar irgendwie Mitspracherecht wenn es um den Standort geht.