Ulbricht Dreharbeiten_DDR-Museum-Berlin

Film über Ulbrichts Wirtschaftswunder – Wie die DDR den Westen überholen wollte

„Frage: Warum gibt es bei uns plötzlich so viele Filzpantoffeln? Antwort: Damit niemand hört, wie wir den Westen überholen!“ So ging einer der vielen Witze über die SED-Losung „Überholen ohne einzuholen“, die in den 60er Jahre die Runde machten. Der Dresdner Filmemacher Thomas Eichberg hat diese Zeit nun filmisch dokumentiert und dem Ergebnis den Namen „Ulbrichts Wirtschaftswunder. Wie die DDR den Westen überholen wollte“ gegeben.

Die Landeszentrale für politische Bildung zeigt den 45-minütigen Film am kommenden Dienstag. Danach diskutieren Eichberg und der Futurologe und Science-Fiction-Autor Dr. Karlheinz Steinmüller über die Zukunftsvisionen, Machtstrukturen und Wirtschaftspläne der DDR. Der historische Ausgang ist allen bekannt. Die Details und politischen Hintergründe dagegen nur wenigen.

Der Film erzählt die Geschichte einer Illusion in den 1960er Jahren der DDR, ein fast vergessenes Stück realpolitischer Wirtschaftsgeschichte. Im Mittelpunkt steht das Neue Ökonomische System (NÖS), ein Wirtschaftsprogramm der Ulbricht-Regierung, mit dem sich die SED-Führung von den dogmatischen Planungsmechanismen à la Stalin verabschieden wollte. Für die einen war es nur ein Rettungsprogramm für die marode DDR-Industrie, für andere die große Hoffnung auf den wirtschaftlichen Sieg des Sozialismus über den Kapitalismus. Sowohl innerhalb der SED, als auch innerhalb des Staates gab es Konflikte, wie der wirtschaftspolitische Kurs in Ost-Deutschland aussehen solle: Ideologische Linientreue oder ökonomisch lukrative Wirtschaftspolitik?

Der politische Druck Anfang der 1960er Jahre, kurz nach dem Bau der Mauer, war enorm. DDR-Bürger wanderten zahlreich nach Westdeutschland aus. Wissenschaftler und Ingenieure im Westen waren den ostdeutschen Entwicklern fast immer einen Schritt voraus. Es mangelte an Rohstoffen und die Wirtschaft war in keiner guten Verfassung. Die Abkehr von der reinen Planwirtschaft und die Hinwendung zu einer Orientierung sowohl am Plan als auch am Markt sollte die wirtschaftliche Wende bringen.

Service:

WAS: „Ulbrichts Wirtschaftswunder. Wie die DDR den Westen überholen wollte“, Filmvorführung mit anschließender Diskussion
WANN: Dienstag, 25. April 2017, 18:00-20:00 Uhr
WO: Sächsische Landeszentrale für politische Bildung, Schützenhofstraße 36, 01129 Dresden
WIEVIEL: Eintritt frei. Anmeldung erbeten: Alexander Stiefler 0351 853 18-14, alexander.stiefler@slpb.smk.sachsen.de

Kommentare sind geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren …

Mehrweg-Becher: Stadt startet Online-Umfrage – Recup bietet Pfandsystem

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne) will den tausendfach verwendeten Einwegbechern beim Coffee-to-go auf den Leib rücken.  >>>

DVB machen Betriebshof in Trachenberge fit für breitere Straßenbahnen

Die Dresdner Verkehrsbetriebe bereiten den Betriebshof Trachenberge auf den Einsatz von breiteren Straßenbahnwagen vor. Ab Herbst >>>

Palais Sommer startet am 4. August und sucht noch Festivalmitarbeiter

Der Dresdner Palais Sommer braucht Verstärkung. Für die Absicherung der gastronomischen Angebote des Kultur- und Kunstfestivals am >>>

Brendler’s Geschichten: Die Klingerstraße in Übigau

Zum 1. Januar 1903 wurden Kaditz, Mickten, Trachau und Übigau nach Dresden eingemeindet. Eine der Folgen für die neuen Stadtteile war >>>

Denkmalschützer: Reithalle in den Kasernen in Übigau war nicht mehr zu retten

Die denkmalgeschützte ehemalige Reithalle im Kasernenhof Übigau war nicht mehr zu retten. Das Amt für Denkmalschutz hat heute Zweifel >>>